„Ich liebe Bäume!“

Seit 35 Jahren schneidet Manfred Saller Bäume. Nicht um, sondern zurecht. Was mit einem Pritschenwagen begann, ist heute ein multinationales Unternehmen


TOM ROTTENBERG

LANDLEBEN, FALTER 24/19 vom 11.06.2019

Foto: Christian Wind

Das Wichtigste? Manfred Saller überlegt nicht lange. „Dass es in all den Jahren keinen Toten gegeben hat. Nicht einmal einen wirklich schweren Unfall.“ Darauf, sagt Manfred Saller, sei er stolz. Denn Sicherheit kann man nicht einfach predigen. Man muss sie leben. Gerade in einem Risikoberuf. Und wenn in einem Job zu Höhe und unsicherem Terrain noch gefährliches Werkzeuge zum Setting gehören, ist „kein schwerer Unfall“ viel wert. Erst recht, wenn „in all den Jahren“ 35 Jahre umfasst. Und besonders, wenn man zwar als Einzelkämpfer begonnen hat, heute aber in sechs Ländern mit mehreren hundert Mitarbeitern auf dem Markt ist. Wie viele es genau sind, kann oder will Manfred Saller nicht sagen. Über Zahlen spricht er nicht wirklich gerne. „Sagen wir es so: 2018 haben wir mehr Gewinn gemacht, als wir 2012 Umsatz hatten.“ Sorgen müsse man sich um ihn, den 59-jährigen Simmeringer, nicht machen. Die macht er sich auch nicht. Das schafft Raum und Zeit, von dem zu erzählen, was wirklich zählt. Und wofür er brennt. Ja, auch noch nach 35 Jahren: Bäume. „Ich liebe Bäume.“

Menschen, die diesen Satz sagen, sehen selten aus wie Manfred Saller. Sie tragen eher wallendes Hippie-Outfit, mit Blumen im Haar beim Ringelreihen um „Bruder Baum“. Aber Saller beim Bäumeumarmen … Nein, dieses Bild geht sich nicht aus. Dennoch zweifelt niemand, dass Saller dieses „Ich liebe Bäume“ auch so meint. „Am liebsten wäre ich nur im Wald“, sagt er. Dort stimmen die Relationen. Bäume, sagt Manfred Saller, erden. „Bäume gibt es seit 320 Millionen, den Menschen seit 28 Millionen Jahren: Wer braucht da wen? Wer schuldet wem Respekt?“ Die 35 Jahre, die er jetzt schon an, mit, auf und in Bäumen arbeitet, sind da ein Klacks. Auch wenn es imposant klingt, wenn Saller erzählt, dass er – als Firma – jährlich rund 20.000 Bäume schneidet.

„Baumpflege“ nennt das Wikipedia. „Baumchirurgie“ sagen Saller, seine Mitarbeiter, seine Kunden und seine Mitbewerber: Der Name Saller steht in Österreich für Baumchirurgie so wie „Tempo“ für Taschentücher und „Vespa“ für Motorroller – aber natürlich gibt es auch andere am Markt. Etliche, so der Platzhirsch, seien „wirklich gut“. Mittlerweile. Vor 35 Jahren sah das anders aus.

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