„Ich war einfach auf tausend!“

Der eine deckte im Profil den größten Kirchenskandal auf. Der andere wollte die Story in einem ersten Reflex verhindern. Warum konnte „Der Fall Groër“ vor bald 25 Jahren erscheinen? Ex-Raiffeisen-Chef Christian Konrad, damals Profil-Eigentümervertreter, erzählt erstmals, was hinter den Kulissen wirklich geschah

JOSEF VOTZI
MEDIEN, FALTER 18/19 vom 30.04.2019

Foto: Christian Wind

Bald ein Vierteljahrhundert danach hat die Causa plötzlich wieder Hochkonjunktur: Im Vatikan ging kürzlich eine große internationale Konferenz über sexuellen Missbrauch in der Kirche über die Bühne – und wurde zum Flop. Das Interesse an einem der ersten Auslöser der Konferenz und der „größten Kirchenkrise seit 1945“ (Süddeutsche Zeitung) aber blieb, dem tiefen Fall des Wiener Erzbischofs Hans Hermann Groër. Die Nachfrage nach Gastkommentaren und Analysen zur Causa Groër und zu den nachhaltigen Folgen für die Kirche reichte von heimischen Printmedien über den ORF bis zum britischen Guardian.

Der damalige Erzbischof von Wien, Hans Hermann Groër, dankte im Frühjahr 1995 binnen weniger Wochen nach dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, den das Profil veröffentlicht hatte, ab. Zur Causa selbst schwieg er bis zu seinem Tod 2004 eisern. Seine Mitbischöfe, darunter der heutige Kardinal Christoph Schönborn, kamen nach anfänglicher hemmungsloser Verteidigung („Nazimethoden“) bald „zur moralischen Gewissheit“, dass die Anschuldigungen gegen Groër stimmten.

Eines der zentralen Kapitel in diesem Fall ist noch ungeschrieben. Was spielte sich in den Tagen und Wochen rund um die Veröffentlichung im März 1995 hinter den Kulissen des Profil-Verlags ab? Das Profil-Cover mit der Anklage des Opfers Josef Hartmann („Kardinal Hans Hermann Groër hat mich sexuell missbraucht“) war ein mehrfacher Tabubruch: Erstmals weltweit wurde einer der höchsten katholischen Würdenträger des Missbrauchs beschuldigt. Und das in einem Medium, in dem der bekennende Katholik und mächtige Raffeisen-Boss Christian Konrad als Aufsichtsratschef die Interessen des Hälfteeigentümers Raiffeisen vertrat.

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