Kopfstücke

Wenn der scharfe Nordwind ans Hirngebein bläst, dann folgt man besser dem imperativen Rat wohlmeinender Eltern und setzt brav eine Mütze auf.


PETER IWANIEWICZ
FALTERS ZOO | aus FALTER 46/07 vom 14.11.2007

Während aber Kindern und Frauen eine Vielzahl an Kopfbedeckungen zur Verfügung steht, die mit den Attributen „süß“ bis „elegant“ beschrieben werden können, müssen erwachsene Männer entweder stadtbekannte Exzentriker oder religiös verpflichtet sein, um ihr Haupt ohne Schmährede bedecken zu dürfen. Das liegt unter anderem daran, dass die hiesige Mützenkultur dank weicher Wolle samt Pudeln und Quasten nur narrenmäßiges statt mannhaftes Auftreten zulässt. Eine Mütze für Männer muss offenbar groß, steif und trophäenhaft sein. Wie zum Beispiel die britischen Bärenfellmützen. Ursprünglich wurden sie aber von Napoleons Garde getragen und dienten weniger dem Warmhalten fröstelnder Denkerstirnen als derem imposanteren Auftreten. „Ich habe niemals Soldaten gesehen, die schauderhafter aussahen als diejenigen der napoleonischen Garde, schwarze Schnurrbärte, riesige Bärenfellmützen und ein grimmiger Gesichtsausdruck machten ihre Erscheinung aus“, schrieb Benjamin Haydon, ein englischer Maler und Literat. Bei der Schlacht von Waterloo nahmen britische Grenadiere den Franzosen die Mützen ab und verwenden sie seitdem selbst als fragwürdige Zier. Denn aus dem Fell eines Schwarzbären (Ursus americanus) kann man gerade einmal zwei Fellhüte fertigen. „Better wear bare skin, than bear skin“, fordern Tierschützer und ließen im britischen Parlament die Kosten dafür einholen. 470.000 Euro kostete in den letzten fünf Jahren die Anschaffung von 494 Kappen aus kanadischem Bärenfell, was den soldatischen Kopf um 950 Euro veredelt. Und da es sich um eine kulturelle Tradition handelt, will man dies so schnell auch nicht ändern. Man hätte bereits Alternativmaterialien ausprobiert, doch diese hätten eine „unbefriedigende Leistung in typischen Niederschlagswettersituationen“ gezeigt, äußerte sich dazu das britische Verteidigungsministerium. Offenbar scheint Bärenfell der einzige taugliche Stoff für Kopfbedeckungen zu sein, denn jede andere Variante wurde mit kruden Begründungen abgelehnt: Angeblich kräuselt sich das Kunstfell wie Afrofrisuren (huch!), obwohl solche Mützen bei der belgischen Garde bereits verwendet werden. Schaffell war wiederum zu leicht und flog angeblich bei starkem Wind vom Kopf. Der Palast der Queen scheint in einem Windkanal zu liegen. To be continued.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige