Last Exit

Am 29. März wird Großbritannien wohl die Europäische Union verlassen. Britinnen und Briten, die in Wien als Kultur- und Medienschaffende leben, erzählen von einem Albtraum – dem Brexit


STEFANIE PANZENBöCK

FEUILLETON | aus FALTER 10/19 vom 05.03.2019

Foto: TOLGA AKMEN / AFP / picturedesk.com

Joanna Godwin-Seidl versteht die Welt nicht mehr. „Ich kann mich erinnern, wie schwierig es in Österreich vor dem EU-Beitritt war, ein Visum, eine Arbeitserlaubnis, einen Job zu bekommen“, erinnert sich die britische Regisseurin an ihre Ankunft in Österreich vor 28 Jahren. „Mein Mann und ich sind immer schon um sieben Uhr in der Früh bei der Polizei in Ottakring gewesen, haben eine Nummer gezogen und gewartet.“ Weil Großbritannien durch den Brexit nun ein sogenannter Drittstaat wird, muss sich Godwin-Seidl nun wieder anstellen. Bei der MA 35, dem Amt für Einwanderung und Staatsbürgerschaft.

Vergangene Woche sitzt die Regisseurin im Café Diglas, einem ihrer Lieblingscafés, am Fleischmarkt. Sie hat eine raue, tiefe Stimme, gestikuliert viel, lacht. Wenn sie über den Brexit spricht, steigen ihr die Tränen in die Augen. „I get very emotional“, flüstert sie dann, bevor sie auf Deutsch weiterspricht.

Der Brexit als Albtraum. Für Menschen wie Godwin-Seidl ist die Europäische Union keine abstrakte Idee, sondern ein wichtiger Teil ihrer Existenz: Die Freiheit zu reisen, in verschiedenen Staaten zu arbeiten, Verwandte auf der ganzen Welt zu besuchen. Trotzdem – oder gerade deshalb – fühlen sie sich stark mit ihrem Herkunftsland verbunden.

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