Macht Mode, Frauen

Anna Aichinger erhält diese Woche den Modepreis der Stadt Wien. Sie repräsentiert eine neue Generation des Wiener Modedesigns – was mittlerweile übrigens längst kein Widerspruch mehr ist.

CHRISTOPHER WURMDOBLER | STADTLEBEN | aus FALTER 24/06 vom 13.06.2006

Julia Timoschenko ist eine Heldin für Anna Aichinger. Nicht unbedingt wegen ihres Programms, das die ukrainische Politikerin mit der markanten Zopffrisur beherzt durchzieht. Vielmehr schätzt die Modemacherin aus Wien die öffentlichen Auftritte Timoschenkos. „Sie schaut gut aus, zieht sich gut an, hat Haarfarbe und Aussehen radikal geändert und setzt all das in ihrer Position auch ganz bewusst ein“, behauptet Aichinger. Der Art, wie sich Politikerinnen üblicherweise kleiden („entweder irgendein Pullover und irgendein Sakko drüber mit riesigen Knöpfen oder gleich: ‚Huschhusch, hier kommt die Waldfee‘“), kann sie nichts abgewinnen: „Meine Mode ist für die Frau, die in einer Machtposition sitzt und dabei auch noch gut ausschaut – streng, aber respektabel.“

Anna Aichinger, 27, zählt hierzulande zu den erfolgreichsten Designerinnen der neuen Generation. Zumindest was die Preise und Auszeichnungen betrifft, die sie bislang bekommen hat. Diese Woche erhält sie im Rahmen der Fashion Week den Modepreis der Stadt Wien. Gut, denn der Preis, dotiert mit 10.000 Euro, sichert die Finanzierung der nächsten Aichinger-Kollektion. Die junge Modemacherin sieht das nämlich durchaus pragmatisch und ist stolz darauf, sämtliche Kollektionen bislang mit Eigenkapital auf die Beine gestellt zu haben. Seit 2005 präsentiert sie im Showroom Rendez-vous in Paris, und langsam stellt sich auch so was wie geschäftlicher Erfolg ein. So wird der Londoner Designerladen Palette die aktuelle Herbst-Winter-Kollektion 06/07 „Bombshell Block“ im Programm haben.

Die vier Tage im Pariser Gemeinschaftsshowroom bedeuten vor allem viel Warterei. Eingezwängt im kleinen Kobel, Klamotten auf der Kleiderstange, Anschauungsmaterial an der Wand und zum Durchblättern, wartet man an vier Tagen mit hundert anderen Kollegen, die ebenfalls hier ausstellen, dass einer der unzähligen wichtigen und unglaublich internationalen Einkäufer oder Modejournalisten auf das Gezeigte aufmerksam wird. Man hält den Atem an, wenn sich jemand der Kollektion nur nähert, fasst es gar nicht, wenn er sogar ein Teil zwischen die Finger nimmt. So ungefähr muss man sich das vorstellen, so ungefähr berichtet Anna Aichinger von ihrem Herzeigeraumerlebnis. Doch die Investition zahlt sich offenbar aus: „Im Showroom profitierst du davon, dass die Kollegen ihren Kundenstamm mitbringen, mit etwas Glück nehmen die dich als Neuling dann auch wahr.“

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