Mission: Mischen

An der Neuen Mittelschule Albert Schweitzer haben sieben von zehn Kindern eine andere Muttersprache als Deutsch. Fördert das neue System Migrantenkinder besser?

MICHAEL THURM
STEIERMARK, POLITIK, FALTER 45/10 vom 09.11.2010

Die Karten werden gemischt, dann darf jeder Schüler eine ziehen. „Hinlegen und nicht anschauen!“ Das ist keine leichte Übung für Gerhard, dessen blonde Haare vom Schlaf noch zerzaust sind. Er ist schon am frühen Morgen besonders neugierig. Auf das Signal von Ruth Hoffmann halten er und seine Klassenkameraden von der 3a die Karten in die Luft. Ihre freundliche Deutsch-Lehrerin ist bereits seit 27 Jahren an der Albert-Schweitzer-Schule und hat schon einige Schulversuche mitgemacht: Ganztagsschule, Tagesheim und jetzt die Neue Mittelschule.

Vor drei Jahren wurden die Türschilder der ehemaligen Hauptschule am Grieskai ausgetauscht, das alte System kennen die Schüler der 3. Klasse schon nicht mehr. Sie sind die Pioniere der Neuen Mittelschule (NMS) Albert Schweitzer. Hier soll sich zeigen, ob eine Schule auch dann alle Kinder fördern kann, wenn die Mehrheit Migranten sind: Laut Stadtschulamt ist für siebzig Prozent der Albert Schweitzer-Schüler Deutsch nicht die Muttersprache.

Es sind vor allem Türken, Albaner und Bosnier, die nach der Jugoslawienkrise und der EU-Osterweiterung in das Gries-Viertel gezogen sind. Die Neue Mittelschule muss hier nicht nur Kinder mit unterschiedlichen Leistungen, sondern auch mit unterschiedlichen Sprachen zusammenbringen. Der Bund und das Land Steiermark finanzieren jeweils drei zusätzliche Stunden pro Klasse – und damit indirekt mehr Personal. Dafür muss themenzentriert und „in offenen Unterrichtsformen“ gelehrt werden. Das Miteinander von Einheimischen und den so genannten „bi-lingualen Schülern“ habe aber auch vorher schon gut funktioniert, so Direktor Reinhard Wolf. „Aber jetzt haben wir wirklich ausreichend Ressourcen, um auf alle Situationen einzugehen. Wir haben mehr Zeit für den einzelnen Schüler.“

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