Missverhältnis

„Please describe your idea of a perfect date.“ Miss Rhode Island: „That’s a tough one. I would have to say April 25th. Because it’s not too hot, not too cold, all you need is a light jacket.“


PETER IWANIEWICZ

FALTERS ZOO | aus FALTER 11/09 vom 11.03.2009

Die Ballsaison geht, der Frühling kommt und die Balzzeit beginnt. Da will man sich natürlich orientieren können und dazu helfen offenbar Schönheitswettbewerbe. Das nationale Highlight in dieser Sache, die Wahl zur Miss Austria, findet am 28. März statt. Mittlerweile sind diese Veranstaltungen durch reichweitenstarke TV-Shows wie „Germany’s next Topmodel“ stark unter Konkurrenz geraten. Dabei hatte am 19. September 1888 im belgischen Heilbad Spa alles so schön begonnen: Eine rein männliche Jury inspizierte damals noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit 21 Kandidatinnen beim ersten europäischen Schönheitswettbewerb. Als bekanntester beauty pageant gilt der seit 1951 bestehende Miss-World-Bewerb. Von diesem spaltete sich ein Jahr danach die Miss Universe ab, bei dem es der Gewinnerin erlaubt wurde, sich auch im Badeanzug fotografieren zu lassen, was eine zentrale Forderung des damaligen Sponsors, eines Modewarenerzeugers, war. Stark im Kommen ist der seit 2001 veranstaltete contest of pulchritude Miss Earth. Die Bedingungen für eine Bewerbung sind klar: unverheiratet, noch kein Kind geboren und natürlich proportionate body structure. Irgendwo steht dann auch noch „Wissen über die Umwelt“.

Weniger sexistisch ist jedenfalls der in der Schweiz 2007 zum ersten Mal verliehene Titel Miss Altersheim. Die Kriterien waren nicht annähernd so selektiv wie bei den jungen Kolleginnen: Die Schönheiten mussten älter als 70 Jahre sein und alleine gehen können.

Eine heiße Sache mit strahlenden Frauen bietet auch die Wahl zur Miss Atom. Selbstverständlich dürfen sich nur qualifizierte Mitarbeiterinnen der 31 russischen Reaktoren der Wahl stellen. Passenderweise zum Weltfrauentag gab man das Ergebnis bekannt: Ekaterina Bulgakowa aus der Provinzstadt Dimitrowgrad gewann und gibt als ihr Lebensmotto „Ich lebe gerne energiegeladen“ an. „Ich strahle auch innerlich“ wäre wohl zu doppeldeutig gewesen. Die Veranstalter hoffen, auf diese Weise „das Klischee der gefährlichen und bedrohlichen Atomenergie“ auszulöschen, nein, zu bannen. Keep smiling!

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FALTER 12/19
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