Namenstag

Sticks and stones can break my bones, but words will nerver hurt me "Was man sagt, das ist man selber", ist der in Kindergärten übliche Bannspruch gegen Beschimpfungen und schlimme Wörter aller Art.


PETER IWANIEWICZ
FALTERS ZOO | aus FALTER 34/06 vom 23.08.2006

Lästig wird es aber dann, wenn man selbst so heißt, wie jene Wörter, die im Duden mit “derb” bezeichnet werden. So tummeln sich beispielsweise im österreichischen Telefonbuch 19 Personen namens “Möse”, 34 die sich “Fick” nennen und 14 Damen und Herren “Kot”. Besondere Bekanntheit hat auch ein winziger Ort im Oberösterreichischen mit der schönen alemannischen Bezeichnung “Fucking” erlangt, der nur wegen seiner englischen Konnotation eigens von Reisebussen angefahren wird, damit2sich deren Insassen mit einem der acht Ortsschilder in mehr oder weniger obszönen Positionen fotografieren lassen können. Diese Ortstafeln wurden regelmäßig gestohlen und letzten Sommer durch Einbetonieren, Anschweißen und Vernieten gegen weiteren Diebstahl gesichert

Viel Schimpf und Schande hat auch die Wurmschlange Typhlops vermicularis zu erdulden. Diese eigentlich sehr schöne, fast rosafarbene Schlange wird im Deutschen wegen ihrer reduzierten, von Schuppen bedeckten Augen lieblos “Blödaug” genannt. Ein Umbenennen erlaubt der strikte Nomenklaturcode nicht, da die dort geltende Prioritätsregel den jeweils zuerst vergebenen Namen verlangt, auch wenn dieser irreführend, grammatikalisch falsch oder politisch unkorrekt ist. Letzteres betrifft einen kleinen Laufkäfer, der sein Leben in slowenischen Höhlen verbringt und dort – braun und blind – andere Kleintiere in den dunklen Tiefen der Karstgrotten jagt. 1933 beschrieb der Entomologe Oscar Scheibel dieses Insekt und benannte es zu Ehren des deutschen Reichskanzlers Anophthalmus hitleri. Dieser “augenlose Hitlerkäfer” wäre mit einem anderen Namen nur wenigen Käferfreunden bekannt, so aber wurde er zum beliebten Ziel von einschlägigen Sammlern. Bis zu tausend Euro wurden schon für ein Exemplar dieser Art gezahlt, was ihn auf den Insektenbörsen zu einem der teuersten europäischen Käfer macht. Jetzt berichtete National Geographic, dass diese Käferart auf Grund der starken Nachfrage kurz vor dem Aussterben steht. Die Reaktion von Naturschützern fällt darauf recht verhalten aus, denn wer will sich schon als Retter des “Hitler-Käfers” einen Namen machen. Aber es gibt noch viel zu tun: drei neue Arten der Gattung der Schleimpilzkäfer wurden zu Ehren von Präsident Bush, Dick Cheney und Donald Rumsfeld benannt (Agathidium bushi, A. cheneyi, A. rumsfeldi). Vielleicht will diese jemand lieber retten.

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