„Podcasts sind das nächste Medium“

Lange in der Nische, sind Podcasts nun so beliebt wie nie zuvor. Warum eigentlich?


ANNA GOLDENBERG

MEDIEN | aus FALTER 15/19 vom 09.04.2019

Foto: Austrian Archives (S) / Imagno / picturedesk.com

Sticker“ hat jemand auf ein gefaltetes Papier geschrieben, die Buchstaben mit gelbem Leuchtstift verziert und es auf einen Tisch im Foyer des Sendezentrums vom Deutschlandfunk gestellt. Das Schild thront inmitten eines bunten Meers von Aufklebern. Herzen, Hunde, Glühbirnen, Sprechblasen, sie alle bewerben Podcasts. Kein Podcast ohne Logo, scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu lauten. Und kein Logo ohne Sticker. Der altmodische Dauerbrenner passt ganz gut zu dem, was sich an diesem Wochenende in dem Kölner Hochhaus abspielt.

Ende März traf sich die deutschsprachige Podcastszene dort nämlich zu einer zweieinhalbtägigen Konferenz. „Subscribe“ heißt sie, heuer fand sie zum zehnten Mal statt. Podcasts, also online abonnierbare Audiodateien, sind in der Internetzeitrechnung eine uralte Kulturtechnik. 2004 gilt als ihr Geburtsjahr, 2005 nahm Apples Musikplattform iTunes sie in ihr Programm auf und machte sie so der breiten, wenig IT-affinen Masse zugänglich. Sie blieben trotzdem Nische. In den vergangenen Jahren haben Podcasts allerdings eine Renaissance erlebt. Das merkt man auch auf der „Subscribe“. Über 300 Teilnehmer sind angereist, rund doppelt so viele wie im Vorjahr. Von New York Times bis Spiegel, von Ö1 bis Falter interessieren sich nämlich nun weltweit Medienhäuser für ein Format, mit dem sich verschiedene Interessengruppen in den vergangenen Jahren ihre Freiräume schufen. Warum genau Podcasts gerade jetzt total angesagt sind, das wird hier diskutiert.

Den Eröffnungsvortrag hält Tim Pritlove. Pritlove, 51, ist einer der Pioniere der deutschen Podcastszene. Er startete 2005 seinen ersten Podcast, damals, als der Begriff „Podcast“ gerade einmal ein Jahr alt war. Er setzt sich aus den Worten „iPod“, der 2001 erstmals erhältliche MP3-Player von Apple, und dem englischen Wort „broadcast“, also „ausstrahlen“ zusammen. Wer Lust hatte, sich mit Aufnahmegeräten, Schnittprogrammen und Hosting-Plattformen auseinanderzusetzen, und fand, dass er etwas zu sagen hatte, startete damals seinen eigenen Podcast. „Technisch gesehen sind Podcasts Blogs mit Audio“, erklärt Pritlove.

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