Posterboy der Piraten

Christopher Clay glaubt, dass Technik die Welt retten kann - und will das mit seiner Partei beweisen

INGRID BRODNIG | MEDIEN | aus FALTER 03/13 vom 15.01.2013

Rosa beleuchtete Glasfliesen, bunt bemalte Wände, technischer Schnickschnack, junge Menschen hinter Laptops und auf gemütlichen Sofas. Inmitten des Wiener Metalab, einem sogenannten „Hackerspace“, der Freiraum für technische Basteleien bietet, sitzt Christopher Clay, 29. Seine Haare sind magenta gefärbt, seine Statur schlank. Er trägt einen Hipster-Scheitel, Kapuzenpulli und Sneakers, schlürft Club Mate, das Lieblingsgetränk von Programmierern und Hackern, weil es extrem koffeinhältig ist. Wer das trinkt, kann die ganze Nacht durcharbeiten.

Hier fühlt sich Clay am wohlsten: Inmitten von Programmierern, Grafikern und anderen Geeks. Er hat in der Szene einen exzellenten Ruf. Der Sohn einer österreichischen Mutter und eines amerikanischen Vaters studierte Informationsdesign, arbeitete bei der Netzagentur Knallgrau. Mit 24 gründete er seine erste Internetplattform namens soup.io, mit 25 heimste er Auszeichnungen dafür ein. Der Wiener nannte ihn damals den „Posterboy“ der heimischen Startup-Szene. Jetzt hat Christopher Clay ein neues, schwieriges Projekt gefunden: die österreichische Piratenpartei.

Seit wenigen Monaten ist er dort aktiv, wurde in die oberste Ebene der Jungpartei gewählt, den sogenannten Bundesvorstand. Sein Ziel: die Piraten attraktiver machen, mehr Menschen ansprechen. „Im Moment vergraulen wir noch zu viele Leute“, sagt Clay und spricht damit die Streitereien an, mit denen seine Partei zuletzt auffiel. Im Onlineforum beflegelte man einander, Mitglieder spalteten sich von der Partei ab, sogar zur Wirtshausschlägerei soll es gekommen sein. Warum tut sich ein talentierter junger Mann so etwas an?

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