Religion als Option

Der katholische Kindergarten Maria Salesia will Kindern den Glauben nicht als Mission aufzwingen

CHRISTINE BAUMGARTNER | STADTLEBEN | aus FALTER 17/09 vom 21.04.2009

Hannah ist nicht getauft. Auch ihr Vater und ihre Schwestern sind ohne Bekenntnis. Trotzdem läuft das Mädchen gern in Kirchen und sucht den Jesus am Kreuz. Ralf Stidl, der Vater, grinst, als er das erzählt. Alle seine Töchter spielten, bastelten und beteten im Pfarrkindergarten Maria Salesia im 15. Bezirk. Er hat davor mit der Leiterin abgesprochen, dass die religiöse Erziehung nicht zu viel Einfluss nehmen soll. Wenn Hannah Kruzifixe sucht, ärgert er sich nämlich ein bisschen. Mittlerweile glaubt Stidl aber, dass seine Tochter einfach ein sehr begeisterungsfähiger Mensch ist. Sie ist hier nicht allein: Insgesamt 50 Prozent aller Kinder, die in Hannahs Kindergarten Bibelgeschichten erzählt bekommen und vor dem Essen beten, sind ohne Bekenntnis.

Die pädagogische Leiterin Judith Gonaus trägt ein Kreuz an einer Goldkette um den Hals. Sie sitzt in ihrem Büro, dem kleinsten Raum im Haus. Der Kindergarten ist direkt im Gebäude der Pfarre Neufünfhaus, gleich hinter der Wiener Stadthalle. Am Morgen sausen Kinder mit Scootern und bunten Rädern über den Burjanplatz, vorbei am Brunnen und zum Eingang des Pfarrkindergartens. Die Eltern laufen ihnen hinterher.

„Katholischen Kindergärten unterstellt man oft, dass sie konservativ sind und Kinder bekehren wollen, aber das ist natürlich Blödsinn“, sagt Gonaus. Sie lacht und ihre Augen leuchten hinter der roten, eckigen Brille. Vergnügtes Kinderkreischen im großen Turnraum neben dem Eingang. Etwa 20 kleine Rucksäcke liegen, achtlos auf einen Haufen geworfen, neben der Tür. Hier sieht man nicht viel von religiöser Erziehung und nur wer sucht, findet in manchen Räumen Kreuze an der Wand. Wenn Gonaus die Türe zu ihrem Büro schließt, hört man die Kinder noch genauso laut lachen wie vorher. „Ich brauche ja nicht viel Platz, den brauchen die Kinder“, sagt sie.

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