„Rumänien ist der Liebe wert“

Rumänien hat seit 1. Jänner den EU-Ratsvorsitz. Die Zeichen stehen auf Chaos. Doch was prägt das Land am Schwarzen Meer? Ein Gespräch mit dem Historiker Ioan Piso über ein Jahrhundert europäischer Geschichte


STEFANIE PANZENBöCK
FEUILLETON | aus FALTER 03/19 vom 15.01.2019

Foto: Heribert Corn

Sie sei ein „Unfall der rumänischen Demokratie“, sagt Präsident Klaus Johannis und meint die Regierung seines eigenen Landes. Diese hat am 1. Jänner den Ratsvorsitz der Europäischen Union übernommen. In den vergangenen zwei Jahren ist sie vor allem durch die Unterminierung des Rechtsstaats und der Korruptionsbekämpfung in Erscheinung getreten. Die EU kritisiert die Koalition, die von der Sozialdemokratischen Partei PDS (der direkten Nachfolgerin der Kommunistischen Partei) angeführt wird, scharf. Premierministerin Viorica Dăncilă attackiert im Gegenzug die EU immer heftiger.

2018 feierte man 100 Jahre Großrumänien. Im Dezember dieses Jahres jährt sich der Sturz des Diktators Nicolae Ceaușescu zum 30. Mal. Und doch weiß man in Österreich wenig über das Land am Schwarzen Meer. Während Polen und Ungarn als EU-Sorgenkinder öfter im Fokus der Berichterstattung stehen, vergisst man Rumänien, selbst wenn 100.000 Menschen – wie im August 2018 – auf die Straße gehen, um mit Europafahnen in der Hand gegen die Regierung zu demonstrieren.

Einer der Gegner dieses Regimes ist Ioan Piso, 74, Historiker und Archäologe. Ein Kulturmensch aus alter rumänischer Familie in Siebenbürgen. Er spricht fünf Sprachen fließend, liebt die Oper und die Literatur. Mit seinen Ausgrabungen erforscht er die Geschichte der römischen Provinz Dakien, die sich auf dem Territorium des heutigen Rumäniens befand. Im Kommunismus war er zuerst Stipendiat in Wien. Dann durfte er fast zwei Jahrzehnte nicht reisen. Gleich nach der Wende wurde er Gastprofessor in Wien und entschlüsselte wichtige lateinische Inschriften in Carnuntum.

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