Sie liebten und sie schlugen sich

Künstler und Galeristen sind weit mehr als Geschäftspartner – Einblicke in eine intensive Beziehung

NICOLE SCHEYERER | FEUILLETON | aus FALTER 15/09 vom 07.04.2009

Seit jeher hat die Künstlerin Elke Krystufek auch persönliche Erlebnisse verarbeitet. In ihre gemalten Selbstbildnisse und Porträts integriert sie meist auch handgeschriebene Textpassagen. Darunter finden sich mal die Namen ehemaliger Liebhaber, mal tagebuchartig notierte Erfahrungen im Kunstbetrieb. Beim letzten Kulturfestival steirischer herbst brachte die Künstlerin einen Streit an die Öffentlichkeit, der für mehr Gesprächsstoff sorgte als die Fotos ihres nackten Unterleibs: Zwischen den Gemälden und Fotos ihrer Ausstellung im Kunstraum Camera Austria fand sich auch eine Liste von 26 Kunstwerken, die ihr langjähriger Galerist Georg Kargl entweder „zu spät“, „beschädigt“, „unrestaurierbar beschädigt“ oder „gar nicht“ zur Schau nach Graz geliefert hätte. Auch in ihrem neuen Buch „Nein“ schreibt Krystufek, dass Kargl ihr Geld schulde und sie sich wegen seines „konstanten Lügens zur Zahlungsvermeidung“ von der Galerie getrennt habe.

„Ein Freund hat mich mal gefragt: Wie kann man als Künstlerin so einen Namen haben und doch nie Geld am Konto?“, erzählt Krystufek über ihr karges Jahrzehnt mit Kargl. Der Galerist hätte sich gegen die normalerweise üblichen Kommissionsscheine gewehrt, die die Übernahme von Kunstwerken bestätigen, und auch Abrechnungen nur widerwillig ausgefertigt.

Nach langem Warten, schildert die Künstlerin, hätte sie dann überrascht entdeckt, dass erstaunlich viel verkauft worden war – jedoch ohne, dass sie ihren Anteil je gesehen hätte. „Die Galerie begründete diesen Missstand mit eigenen hohen Ausgaben, woraufhin wir eine Ratenzahlung vereinbarten.“ Aber auch diese Regelung wurde bald wieder gebrochen. Aufgrund ihrer vielen internationalen Ausstellungen und dem damit verbundenen Produktions- und Reisestress hätte sie schon mal den Überblick verloren, gibt Krystufek zu. Aber ihre Bemühungen um ordentliche Verträge mit Kargl würden schon auf das Jahr 2000 zurückgehen, als sie ein Freund aus der Finanzwelt vor so viel geschäftlicher Unsicherheit warnte. „Ungefähr 100.000 Euro aus Kommissionen und etliche Werke“ schulde ihr die Galerie derzeit, schildert Krystufek.

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