Sophie und die alten Männer

Die deutsche Komikerin und Feministin Sophie Passmann nimmt sich das Feindbild „alter weißer Mann“ vor


ANNA GOLDENBERG

MEDIEN, FALTER 11/19 vom 12.03.2019

Foto: Rainer Unkel / picturedesk.com

Wenn sich Sophie Passmann auf der Straße eine Zigarette anzündete, rechnete sie stets damit, gemaßregelt zu werden. Das verdankt sie ihrem Vater. Der ist zwar Raucher, findet aber, es wirke „schlampig“, wenn Frauen das auf offener Straße täten.

Sieht man sich Videos der Auftritte der 25-jährigen Deutschen an, sei es bei Poetry Slams, die sie als Teenager für sich entdeckte, sei es bei Jan Böhmermanns ZDF-Satireshow „Neo Magazin Royale“, für das sie rund einmal pro Monat Beiträge macht, oder bei Talkshows und Podiumsdiskussionen, scheint das unvorstellbar. Die schlagfertige, selbstbewusste Passmann wird nervös, wenn sie auf der Straße raucht? Lässt sich von einem „alten weißen Mann“, also einem Vertreter jener Gruppe, die sie selbst als „Feindbild“ bezeichnet und der sie gerade ihr neuestes Buch gewidmet hat, in ihrem Verhalten beeinflussen?

Wer in den vergangenen Jahren einen Blick in die Debattenressorts und Feuilletons deutschsprachiger Zeitungen geworfen hat, dem entgingen Artikel über „alte weiße Männer“ kaum. Der Begriff stammt aus den Vereinigten Staaten. Black, Hispanic, Asian American – anders als im deutschsprachigen Raum gibt es wenig Unwohlsein, seine ethnische Herkunft offen auszusprechen. Mit dem Ende der Rassentrennung in den 1960ern und dem Beginn der „Affirmative Action“, also der aktiven Förderungsmaßnahmen zugunsten von diskriminierten Minderheiten, etwa in Form von Quoten bei der Aufnahme von Studierenden, gab es immer wieder weiße Männer, die sich über die scheinbare Benachteiligung beschwerten. „Angry white men“ nannte sie der US-Soziologe Michael Kimmel in seinem gleichnamigen, 2013 erschienenen Buch. Sie fühlen sich bedroht, weil der gesellschaftliche Wandel ihre über Jahrhunderte zementierte Vormachtstellung infrage stellt.

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