Stichhaltige Fakten

Die Mordrate steigt seit drei Jahren stark an. Frauen werden immer öfter Opfer ihrer eigenen Partner. Ausländer und Asylwerber sind in der Kriminalstatistik überrepräsentiert. Was läuft falsch?

FLORIAN KLENK, NINA HORACZEK, SIBYLLE HAMANN
POLITIK, FALTER 04/19 vom 22.01.2019

Illustration: Oliver Hofmann

Vergangenen Donnerstag bat die Richterin das Publikum, den Gerichtssaal zu verlassen. Ibolya C. wollte den Geschworenen ihren Körper zeigen, wollte erzählen, was ihr widerfahren war, nicht irgendwo in einer fernen, archaischen Welt, sondern hier in Wien, in der Liniengasse im 6. Bezirk.

Sie schafft es allerdings nicht mehr in den Saal 303 des Gerichts. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen und auf ihre Schwester, die sie rund um die Uhr pflegen muss, ihren künstlichen Darmausgang versorgt und sie dreimal die Woche zur Blutwäsche führt, weil ihr Ex-Freund Blerim A. ihre Nieren zerschnitten hatte. Deshalb zeigte sie im Video-Chat ihre Narben, ihre gelähmten Hände, ihren zugerichteten Körper. Ibolya erzählte den Geschworenen, dass sie ihre Gedärme auf dem Gehsteig liegen sah. Und die Ärzte berichten in ihren Gutachten, dass sie dieses Verbrechen „nur durch ein medizinisches Wunder“ überlebte.

Die Staatsanwältin schildert, was dieser 35 Jahre jungen Frau am frühen Morgen des 22. Juli 2017 widerfahren war. Aus Eifersucht sprühte der Mann ihr Reizgas ins Gesicht, dann stach er zu. Einmal, zweimal, dreimal, 14-mal. Jetzt bestreitet er den Mordvorsatz.

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