Supernaked: Die Akte Grasser als Film

Wie kann man die Vorwürfe im größten Korruptionsprozess der Zweiten Republik so darstellen, dass sie jeder versteht? Der Falter und die Rechercheplattform Dossier hatten eine Idee: eine Dokumentation in Form von Film und Graphic Novel


FLORIAN KLENK
POLITIK | aus FALTER 50/17 vom 12.12.2017

Illustration: Rob Ayers / Dossier, Quelle: Cover FALTER 50/17

Der ehemalige Finanzminister und Shooting-Star der FPÖ (und später der ÖVP) sitzt also auf der Anklagebank. Um ihn herum sitzen die einst mächtigsten Lobbyisten, Banker und Baumanager der Republik. Direktoren der Raiffeisen-Bank, ehemalige FPÖ-Spitzenpolitiker und ein Chef-Lobbyist der blau-schwarzen Regierung.

Ohne Zweifel: Der Fall Karl-Heinz Grasser, der nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe endlich beginnen soll, ist der größte und spannendste Korruptionsprozess der Zweiten Republik.

Worum genau geht es dabei? Seit mehr als 14 Jahren begleitet der Falter die Geschäfte des ehemaligen Finanzministers. Dabei fiel eines auf: Seine engsten Freunde wurden während oder kurz nach seiner Amtszeit sehr, sehr reich, etwa weil sie Provisionen rund um die Privatisierung von 60.000 Buwog-Wohnungen einstreiften. Es sind Geschäfte, die Grasser zu verantworten hatte. Walter Meischberger, sein Trauzeuge, Peter Hochegger, sein Berater und späterer Geschäftspartner, und Ernst Karl Plech, sein Immobilienberater und von ihm eingesetzter Buwog-Aufsichtsrat, sie alle hatten auf einmal Millionen auf Offshore-Konten. Die große Frage, die nur das Schöffengericht klären darf, lautet also: Hat sich ein Finanzminister der Zweiten Republik im großen Stile bestechen lassen? Und wenn ja, wie geschah das?

Der Wiener Staatsanwalt Gerald Denk arbeitete gemeinsam mit Ermittlern des Bundeskriminalamts acht Jahre lang an seiner 825 Seiten starken Anklage, die nun öffentlich verhandelt wird. 16 Angeklagte haben sich zu verteidigen.

Grasser selbst versuchte die letzten Wochen das Schöffengericht zu delegitimieren. Er warf der Vorsitzenden des Richtersenats, Marion Hohenecker, Befangenheit vor, weil ihr Mann, ein Richter, dumme Tweets gegen Grasser abgeschickt hatte. Und vor allem attackierte er Medien, Kabarettisten, Liedermacher und Schriftsteller. In einem eigens beauftragten Privatgutachten des deutschen Presserechtlers Ralf Höcker unterstellte er auch dem Falter eine beispiellose Vorverurteilung. In Wahrheit hat der Falter nur das getan, was in einer offenen Gesellschaft zulässig sein muss. Wir haben uns ein politisches Urteil über die Ära Grasser gebildet, das diesem nicht passt.

Der Falter hat nun -nach der Verlesung der Abhörprotokolle im Audimax -ein neues künstlerisches Projekt angestoßen, einen Zeichentrickfilm. Gemeinsam mit einem Team der Rechercheplattform Dossier haben wir den Akt verfilmt, vertont und somit künstlerisch umgesetzt.

Unser besonderer Dank gilt dem Regisseur Fabian Lang, der gemeinsam mit den Drehbuchautoren Georg Eckelsberger und Florian Skrabal das Skript schrieb und mit dem Animator Lukas Wagner jene Bilder in Bewegung setzte, die Zeichner S.R. Ayers anfertigte. Die Musik kommt von Bernd Ammann, das Sounddesign von Johannes Paul Heilig.

Wir versuchen mit diesem Film den komplexen Fall einfach darzustellen, strafrechtlich beurteilen darf ihn nur die Justiz. Zu sehen unter: www.supernaked.at und falter.at/grasser.


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Die Akte Grasser als Film: Zu sehen hier auf falter.at/grasser.


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FALTER 50/18

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