Top Gun oder Top Flop?

Heiß umfehdet, wild umstritten: Die einen würden den Eurofighter am liebsten sofort stornieren, die andern feiern ihn als Superstar der Lüfte. Was kann der sauteure Abfangjäger tatsächlich? Porträt eines innenpolitischen Monstrums.

NINA WEISSENSTEINER
POLITIK, FALTER 42/06 vom 17.10.2006

Ready to take off? Wer bloß über eine durchschnittliche Konstitution verfügt, erlebt nur die ersten Augenblicke nach dem Start. Acht Sekunden dauert es, wenn der Pilot die Bremsen löst, bis die Räder des Jets vom Boden abheben. Dann zieht er die Schnauze hoch, und der Flieger rast donnernd himmelwärts. Während unten der Erdboden vibriert und sich die Zurückgebliebenen die Hände an die Ohren pressen, hat der Abfangjäger die Schallgeschwindigkeit erreicht. Mit jeweils 40.000 PS jagen ihn die zwei Triebwerke weiter nach oben. Binnen zweieinhalb Minuten ist die Maschine auf 12.000 Meter – und jeder Normalsterbliche an Bord längst bewusstlos. „Es fühlt sich an“, sagt Erich Wolf, „als würde dir ein Pferd an die Brust springen, so stark ist seine Beschleunigung.“

Der Mann muss es wissen. Wolf ist der sogenannte „Air Chief“ des Bundesheeres und einer von nur zwei heimischen Piloten, die den berüchtigten Eurofighter schon fliegen durften. Sobald der Generalmajor über das exakt 15,96 Meter lange und 23,5 Tonnen schwere Kriegsgerät spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. Wolf sagt dann Sätze wie: „Das Land kann stolz sein, das Beste zu bekommen.“ Oder: „Der Eurofighter ist der Ferrari der militärischen Luftfahrt.“ Warum ausgerechnet Österreich solche Luft-Ferraris braucht? Ganz klar: „Dem Hermann Maier würde man doch auch keine Ski aus den Sechzigerjahren in die Hand drücken und sagen: ,Fahr so weiter!‘“ Doch unser Bundesheer ist wohl kaum der Terminator der Rüstungswelt.

Hierzulande startete der Eurofighter noch kein einziges Mal – dennoch wirbelte er viel Staub auf. Eine Regierung hat der Kampfflieger bereits gesprengt, ein eigenes Volksbegehren gegen ihn mehr als 624.000 Österreicher auf den Plan gerufen. Im Parlament ist der Vogel seit Jahren ständig Anlass für dringliche Anfragen, Sondersitzungen und Misstrauensanträge gegen Regierungsmitglieder. Und nicht zu vergessen: Auch den Rückzug des Kärntner Landeshauptmanns in seine Provinz hat der Eurofighter auf dem Gewissen. Nur wenige Tage nach dem Knittelfelder Parteitag 2002, bei dem blaue Rebellen unter dem Schlachtruf „Steuerreform statt Abfangjäger!“ gegen die Parteispitze putschten, fühlte sich Jörg Haider von einem Unbekannten bedroht. „Herr Doktor Haider, behindern Sie nicht den Kauf der Abfangjäger …!“, habe ihm der mysteriöse Mann zugeraunt. „Ich muss der Gewalt weichen“, erklärte Haider darauf und kandidierte nicht für den damals vakanten Posten des Parteiobmanns.

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