Und wer bekommt das Auto?

Der 2012 verstorbene Wiener Künstler Franz West hat das Zeug zum Klassiker. Wenn da nicht die Hinterbliebenen wären


MATTHIAS DUSINI

FEUILLETON | aus FALTER 09/19 vom 26.02.2019

Foto: Didi Sattmann. brandstätter images / Imagno / picturedesk.com

Er ließ sich Zeit, viel Zeit. Galeristen verzweifelten, weil die Bilder kurz vor der Vernissage noch nicht gehängt waren. Katalogtexte blieben liegen, da sie vom Künstler erst mit Tipp-Ex bearbeitet werden mussten. Doch am Ende machte West einen Schlenker, und aus halb ausgepackten Skulpturen wurde eine räumliche Installation und aus Interviewfetzen ein Aphorismus. Das Chaos bekam Form.

Im Londoner Museum Tate Modern wurde vergangene Woche eine Schau über den 2012 verstorbenen Künstler eröffnet, eine Übernahme vom Pariser Centre Pompidou. Es ist die erste große posthume Präsentation außerhalb Österreichs und der Versuch, den Rang des Künstlers zu sichern.

Wenn Thomas Bernhard in Österreich das Maß aller literarischen Dinge ist, dann besetzt West die Spitze der bildenden Kunst. Sollte diese Position überhaupt gefährdet sein, hat das mit dem Tohuwabohu zu tun, das der Wiener Künstler vor seinem Tod 2012 anrichtete. Es geht in diesem Fall nicht nur um Kunst, sondern auch um den Willen eines Menschen, der zwischen den Ansprüchen seiner Erben und der Unsterblichkeit seines Werks abwägen musste. Zur Debatte steht auch die Unerbittlichkeit der Rechtsordnung, die in die informelle Sphäre der Kunst eindringt. Geredet wird viel, aber am Ende zählt der Beweis. Und es geht um Gier.

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