Vögeleien

"Ich bin ein großer Teleologe und daher fest überzeugt, dass die ganze Familie der hühnerartigen Vögel ausschließlich erschaffen ist um unserer Speisekammern willen und unserer Diners", schrieb Jean Anthèlme Brillat-Savarin in seiner "Physiologie des Geschmacks".


PETER IWANIEWICZ
FALTERS ZOO | aus FALTER 08/06 vom 22.02.2006

Meinereins hingegen vertritt vielmehr die Theorie, dass Tiere generell dazu da sind, uns mit diversen Ängsten auszustatten. Zum Beispiel der Alektorophobie, der Angst vor Hühnern. Das ist zurzeit eine sehr angesagte Angst, und niemand sollte davor, äh, zurückschrecken, sie auszuleben. Ganz so wie es Gabriel García Márquez in seinem Werk “Von der Liebe und anderen Dämonen” vorsieht: “Ygnacio hatte eine fürchterliche Angst vor allen Tieren, außer den Hühnern. Auf dem Land beobachtete er dann aber ein lebendiges Huhn aus der Nähe, stellte es sich auf das Maß einer Kuh vergrößert vor und merkte, dass es ein Ungetüm war, weit furchterregender als irgendein anderes zu Lande oder zu Wasser. Kalter Schweiß kam ihm in der Dunkelheit, und die gespenstische Stille in den Gehegen ließ ihn bei Morgengrauen nach Luft ringend aufwachen.” So muss es wohl auch jenem ägyptischen Bauern gegangen sein, der diese Woche seinen Hühnern aus Angst vor der Vogelgrippe den Hals durchschneiden wollte, sie dann einzeln zu erwürgen begann und sie schlussendlich mit einer Schrotflinte von ihrem tristen Erdendasein befreite. In Wien herrscht vorläufig noch mehr die Angst vor Staus im Morgenverkehr, die durch den Anblick eines toten Schwans verursacht werden (Cygnoobstipationsphobie).

Und da hier allerlei so flott zitiert wird, darf auch die Bibel nicht fehlen: “Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tiers; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.” Was auch immer diese Stelle aus der Offenbarung des Johannes bedeuten mag, seitdem gilt 666 als die Zahl des Teufels. Dies verlangt dann nach mystischen Paranoikern, die herausfinden, dass, wenn wir A als 100 lesen, B als 101 usw., sich die Gesamtsumme des Namens Hitler auch auf 666 beläuft.
Noch eine horrible Meldung schockte diese Woche alleOpernballdebütanten: Basiskosten von tausend Euro! In einer peniblen Auflistung rechnet ORF On dann neben Ausgaben für Taxi, Garderobegeld und einem obligaten Paar Würsteln mit Kren auch den “Besitz von festlicher Fußbekleidung” auf. Schöne Formulierung. Ich weise die p.t. Debütantinnen aber darauf hin, dass die Verwendung von schmückenden Vogelfedern so wie der Konsum von Vogelbeerschnaps und Vogerlsalat heuer ein absolutes No-No ist.


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