Wenn sich das Arbeitengehen nicht mehr lohnt

Niederösterreich investiert viel in sein Kultur- und Wissenschaftsangebot. Aber in der Familienpolitik geht es ganz klassisch zu. Jungeltern, die von Wien aufs Land ziehen, trifft das besonders

TINA MOSER | LANDLEBEN | aus FALTER 15/16 vom 12.04.2016

Illustration: Bianca Tschaikner

Illustration: Bianca Tschaikner

Melanie* steht an der Schaukel und gähnt. Es ist zehn Uhr. Nach dem Aufstehen, nach dem „Ich will aber das Kleid anziehen!!“, dem „Ich mag KAKAOOO!!“ und nach hundertmal „Mit dem Stift nicht an die Wand malen, nein!!“. Es ist vor dem Einkaufen mit Wutanfall – zuerst Kind, dann Melanie –, vor dem „Wäh, Erbsen, wäh, Fleisch!“, dem „Ich mag KEINEN Mittagsschlaf!“ und dem Legosteine-, Kuscheltiere-, Malsachen-Chaos-Beseitigen im schmalen Zeitfenster, bevor das Kind wieder aufwacht und „Maaamaaaa!“ schreit.

Vor knapp zwei Jahren ist Melanie Mutter geworden. Sie lebt in Tulln, nordwestlich von Wien. Melanie ist mit Thomas verheiratet, der für eine Versicherung arbeitet und monatlich rund 2300 Euro netto verdient. „Lustig“, sagt sie, „bis vor kurzem wusste ich das gar nicht so genau.“

Jetzt weiß sie es. Viele Stunden wurden mit diesem Betrag jongliert. Mit dem und mit den 1600 Euro netto, die Melanie bis vor der Geburt in ihrer Vollzeitstelle als gelernte Bürokauffrau verdient hat. Das Zahlen-Jonglieren ging los, als das junge Paar beschloss, dass Melanie nach dem ersten Geburtstag des Kindes wieder Teilzeit arbeiten gehen soll: „Mir fiel zu Hause die Decke auf den Kopf, und ich habe gemerkt, dass meine Tochter die Gesellschaft von anderen Kindern mehr schätzt als meine“, erzählt sie. „Außerdem wollte ich nicht komplett den Anschluss in der Arbeit verlieren, bei uns im Betrieb stehen viele Veränderungen an.“Für Melanie hätte das bedeutet, dass sie mit einem 20-Stunden-Job 800 Euro netto verdienen würde. In der 16.000-Einwohner-Stadt Tulln gibt es Kleinkindbetreuungseinrichtungen und mehrere Tagesmütter. Einen geeigneten Platz zu finden war nicht das Problem, aber: „Egal welche Option wir gewählt hätten: Eine 25-Stunden-Betreuung hätte uns monatlich um die 400 Euro gekostet.

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