Wie grün ist der neue Rote?

Wiens zukünftiger Bürgermeister Michael Ludwig kann sich eine Änderung der Mindestsicherung vorstellen und macht sich für mehr Autoverkehr stark. Gefährdet er das rot-grüne Projekt?

BENEDIKT NARODOSLAWSKY, NINA BRNADA | POLITIK | aus FALTER 06/18 vom 06.02.2018

Illustration: P.M. Hoffmann

Sonntagnachmittag, Donaustadt. Eltern spazieren mit Kinderwägen durch den Hannah-Arendt-Park. Ein Vater läuft wie ein Bodyguard neben seinem Buben her, der auf seinem Fahrrad den Weg hinunterschlingert. Eine Mutter führt ihr skeptisches Kind aufs Bodentrampolin auf dem neuen Spielplatz. Hier, im kleinen Hannah-Arendt-Platz im größten Bezirk der Stadt, übt Wien seine Zukunft. Hier verdichtet sich die Stadtpolitik von Rot-Grün.

Lässt man vom Hügel des zentralen Parks aus seinen Blick schweifen, sieht man die Wohngebäude der Baugruppen. Dort haben sich die Bewohner ihre Häuser selbst geplant, sie haben nahezu jeden Ziegel basisdemokratisch und einstimmig beschlossen. Links davon liegt der Bildungscampus, dort lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Blickt man nach rechts, sieht man auf die Mauer, in der ein Spruch in Beton gegossen wurde: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“ Er stammt von der antifaschistischen Philosophin Hannah Arendt, der der Park seinen Namen verdankt.

Wohnbau, Bildung, Solidarität und Antifaschismus. Das war die große Überschneidung der Parteien in der rot-grünen Wiener Stadtkoalition. Ende 2010, nachdem die Sozialdemokraten in Wien die absolute Mehrheit verloren hatten, wagten sie ein neues politisches Projekt. Es war Michael Häupls letztes großes Experiment als Wiener Bürgermeister. Häupl, ein Doktor der Zoologie und ehemals Umweltstadtrat, holte die Grünen in die Regierung. Mehr als sieben Jahre sind seither ins Land gezogen; sie haben die Stadt verändert.

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