Wir kriegen dich!

„Parasitische Wespen sind ein besonders gutes Mittel gegen die sentimentale Vorstellung von Gott als gütigem Schöpfer.“ Charles Darwin


PETER IWANIEWICZ
FALTERS ZOO | aus FALTER 43/07 vom 24.10.2007

Es ist wieder einmal so weit: Das beliebte Thema Immigration – nein Invasion – wird vom Hollywoodkino wieder aufgegriffen. Don Siegel verfilmte 1965 erstmals Jack Finneys Romanschocker „Die Körperfresser kommen“ und ließ keinen Zweifel daran, dass er dabei die „rote Gefahr“ des Kommunismus über das aufrechte Amerika hereinbrechen sah. 1978 folgte das erste Remake, in dem die paranoiden Verdächtigungen einer Post-Vietnam- und Post-Watergate-Gesellschaft zum Ausdruck kamen. Abel Ferrera interpretierte das Thema 1993 als Öko-Thriller, und jetzt darf Nicole Kidman ihrer Angst vor der gesellschaftszersetzenden Kraft des Fremden Ausdruck verleihen. Der Plot ist aber immer der gleiche: Außerirdische infizieren menschliche Körper, verändern die Psyche ihrer Wirte und ergreifen die Macht. Parasiten haben ein Image-Problem. Keiner mag sie, auch wenn ihr Verhalten eigentlich unblutiger als das eines Räubers ist, der sein Opfer tötet. Offenbar schätzen Menschen einen muskelzerfetzenden Prankenhieb mehr als die subtile verhaltenszersetzende Wirkung eines Schmarotzers. Denn – so vermutet man – jedes Bakterium, jeder Virus und jeder Einzeller nimmt Einfluss auf das Verhalten seines Wirts. Wird man beispielsweise von einem Schnupfenvirus befallen, dann zeigt man als Symptom Husten und Niesen, bei dem die Rhinoviren an andere weitergegeben werden. Wer oder was bewirkt dieses Verhalten? Noch weitreichender geht die Willensbeeinflussung durch den Einzeller Toxoplasma: Britische Forscher der Universität Oxford haben in mehreren Untersuchungen festgestellt, dass Ratten, die mit dem Parasit Toxoplasma gondii infiziert sind, sich weniger ängstlich verhalten als sonst. Für Katzen werden sie dadurch zur leichten Beute. Der Parasit, von dem 35 Prozent der untersuchten Ratten befallen waren, dringt bis in das Gehirn vor und macht die von Natur aus vorsichtigen Nager weniger ängstlich. Normalerweise wären sie fähig, auch schon die kleinsten Veränderungen in ihrer Umgebung wahrzunehmen. Mit dem durch den Parasiten lahmgelegten Instinkt biedern sich jedoch die Tiere ihrem Feind geradezu an. Toxoplasmose kann auch auf Menschen übertragen werden, die dann ebenfalls signifikante Verhaltensunterschiede zeigen: Infizierte Frauen sind kontaktfreudiger, Männer misstrauischer. Wir lernen: Sie sind schon unter uns!

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FALTER 03/19

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