"Wir suchen die Essenz"

Genau zwanzig Jahre nach ihrem Durchbruch kommen a-ha mit ihren größten Hits und einem gelungenen neuen Album in die Stadthalle. Mit dem "Falter" sprachen die norwegischen Achtzigerjahrepopstars über falsches Image und echte Gefühle, die Komplexität von Spinnennetzen, Fluch und Segen von "Take On Me".


GERHARD STöGER

FEUILLETON | aus FALTER 45/05 vom 08.11.2005

Sie haben weltweit mehr als dreißig Millionen Platten verkauft, waren 63-mal in insgesamt 27 Ländern an der Spitze der Charts, haben ein James-Bond-Titelstück produziert (“The Living Daylights”) und sind für 196.000 zahlende Besucher bei einem einzelnen Konzert (Rio de Janeiro, 1991) im Buch der Rekorde vermerkt. Ähnlich außergewöhnlich wie diese Zahlen ist die Geschichte hinter a-ha. Das Trio kam aus dem damaligen Pop-Niemandsland Norwegen, schrieb seine gerne tief in Melancholie getauchten Stücke selbst, machte sich auch sonst nicht unbedingt zum Affen – und wurde doch zu einer der erfolgreichsten Bands der Achtzigerjahre. Ihre im Herbst 1985 veröffentlichte Debütsingle “Take On Me” zählt zu den markantesten Popsongs der Dekade, das zugehörige Comicvideo ist ein Stück Popgeschichte. 1994 zerbrachen a-ha vorübergehend am Missverhältnis zwischen dem Anspruch als ernsthafte Band und der Wirklichkeit als alternde Teeniestars. Man verfolgte Soloprojekte, Keyboarder Magne Furuholmen begann außerdem zu malen. Nach der Reunion 1998 wurden die beiden Platten “Minor Earth Major Sky” (2000) und “Lifelines” (2002) auch von der Kritik äußerst wohlwollend aufgenommen.

Mit ihrem insgesamt erst achten Studiowerk “Analogue” ist es heute unpeinlicher denn je, a-ha gut zu finden. Zur Veröffentlichung des in seinem emotionalen Midtempopop auch für enttäuschte Coldplay-Hörer empfehlenswerten Albums und dem bevorstehenden Wienkonzert traf der Falter a-ha zum Gespräch – und sah sich mit drei grundverschiedenen Typen konfrontiert. Sänger Morten Harket trägt die einst von Millionen Teenagern weltweit kopierten Lederarmbänder längst nicht mehr, dafür baumeln auffällige Ketten an seinem Hals. Das Leben hat beim einstigen Posterboy merkliche Spuren hinterlassen; der 46-Jährige wirkt leicht weggetreten und unnahbar. Praktisch das Gegenteil davon verkörpert der inzwischen zum Hauptsongwriter aufgestiegene Magne Furuholmen. Offenherzig und redselig erweist sich der 43-jährige Ex-Alkoholiker als offenes Buch, das sich bisweilen auch noch selbst umblättert. Der in New York lebende Gitarrist Paul Waaktar-Savoy wiederum ist freundlich, aber wortkarg. “Meine Frau predigt seit zwanzig Jahre, dass ich extrovertierter werden muss”, sagt der 44-Jährige fast entschuldigend. “Ich bin aber noch immer nicht dort, wo sie mich gerne hätte.” Sein Gesicht verbirgt er hinter einer Sonnenbrille, unter den hellbraunen Cowboyboots trägt er weiße Tennissocken. Sie bleiben das einzige Eighties-Klischee im aktuellen Repertoire von a-ha.

Falter: Morten, im Pressetext zu “Analogue” sagen Sie: “Wir wurden als Teenie-Idole gesehen – und das hatte alles so wenig mit dem zu tun, warum wir eigentlich angetreten waren.” Warum haben Sie persönlich mit dem Musikmachen begonnen?

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