Die 5 besten Eckhäuser in Wien

Auf Ecken-Expedition: Maik Novotny
zuletzt aktualisiert am 10.04.2018
Mariahilfer Straße 71A, 1060 Wien
Das Eck mit dem besten Schriftzug: Seit Jahrzehnten deuten Touristen, die vom Westbahnhof kommen, ungläubig lachend nach oben: HOTEL KUMMER! Ein Name wie ein melancholischer Episodenfilm oder der Titel eines Gemäldes von Edward Hopper. Ein Eck mit vielen Assoziationen – und mit Ablaufdatum: Ab 2020 heißt das Hotel „Motto“ und der Schriftzug wird einer Glaskuppel weichen. Kummer, oh Kummer!

Kocurik

Hamburgerstraße 20, 1050 Wien
täglich 11–2 www.ruedigerhof.stadtausstellung.at
Eigentlich ist dieses Eck ein Kuriosum: Hier macht die Wienzeile ihren einzigen Aussetzer und wird für wenige hundert Meter zur Hamburgerstraße, während der Wien-fluss unter einem Parkplatz verschwindet. Inszeniert wird diese schizophrene Spaltung in denkbar schönster Weise: mit dem Rüdigerhof, Jugendstil-Beauty und weithin weiß strahlender Gruß an die West-einfahrenden: Hier beginnt Wien richtig.

Welleschik

Lehárgasse 6-8, 1060 Wien
Ein Hauch von „Blade Runner“ weht hinter dem Café Sperl: Das ehemalige k. k. Hoftheater-Kulissendepot, heute das Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste, ragt nicht nur dunkel und dramatisch in die Höhe, das dunkle Aufragen spitzt sich dort, wo die Lehárgasse umschwenkt, auch noch dramatisch zu. Als wäre das nicht genug, ist genau dort der Eingang. Dahinter: einer der atemberaubendsten Eckräume der Stadt.

Thomas Ledl

Brandstätte 6, 1010 Wien
Eines der besten Häuser Wiens, mit gleich zwei besten Ecken. Ein Paradebeispiel, wie sich Architektur in engen Altstadtgassen dramatisch inszenieren lässt. Auf ver-zwackt-schiefem Grundstück schuf Jože Plecnik 1903–1905 ein Meisterwerk. An der vom Stephansplatz sichtbaren Ecke legt sich die dunkel-elegante Steinfassade elegant in die Kurve, an der Kreuzung zum Wildpretmarkt ist die Ecke hingegen messerscharf und kantig.

Thomas Ledl

Humboldtgasse 1-7, 1100 Wien
Die expressionistischste Ecke Wiens: 1931 setzten Eugen Kastner und Fritz Waage das Umspannwerk Favoriten in den dreieckig zulaufenden Spitz zwischen Sonnwendgasse und Humboldtgasse, und ein Hauch von Fritz Langs „Metropolis“ weht seitdem durch Favoriten. Künstlerische Freiheit trifft Technikbegeisterung mit einem Hauch Sowjet-Futurismus. Umspannend, aber alles andere als unspannend.

Thomas Ledl

Alle Adressen auf einen Blick

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