Auf Streifzug

Streifen begleiten uns durch alle Saisonen der Mode

MODE & BEAUTY | THOMAS REINBERGER | COMPLETE MAGAZIN 1/16

Foto: Isa Arfen

Auf die maritime Blau-Weiß-Kombination dürfte Jean Paul Gaultier das Haute- Couture-Copyright haben. Wissen Sie eigentlich, wie es zu diesen „Seemanns-Streifen“ kam? Wissenschaftlich bestätigt ist keine der Legenden um die Matrosen-Tracht. Plausibel klingt aber jene, in der es heißt: Die Kluft der Seefahrer sollte sich möglichst von den eintönigen Segeln abheben.

Ähnlich verhält es sich auch bei Häftlingskleidung: Unternimmt der Gefangene einen Fluchtversuch, werden ihm die eindeutigen Streifen schnell zum Verhängnis. Resümee: Streifen fallen auf. Und machen je nach Zusammenhang ordentlich Wind.

Zart gestreifte Marlene-Hosen

Die Galionsfigur für ungewöhnliche Drucke und Farbfusionen Miuccia Prada sorgte auf der Mailänder Fashion Week für heftige Sturmböen. Auf den ruhigeren zweiten Blick bildet das Gestreifte eine Symbiose mit 1970er-Prints und Zick-Zack-Mustern. Mäntel aus exotischem Leder verdecken die Sicht auf semitransparente Materialien. Das Ganze ist ein Konglomerat aus Design und Rohstoffen ganz in der Prada-Manier.

Dolce & Gabbana hingegen setzen auf Two-Tone mit längsgestreiften, rot-weißen Farbbahnen. Alles im „All over“-Look – bis hin zu den Accessoires. Wie Sonnenschutz im Oversize-Format und feminines Handgepäck in Kastenform.

Auch Signore Armani macht seine Ladys für die Riviera flaniertauglich. Er statuiert mit zart gestreiften Marlene-Hosen ein Exempel. Als Rettung eines Bad-Hair-Days fungieren schulterbedeckende Hüte mit rot-weißen Kringeln.

Blaue Balken auf den Augen

Das war’s aber noch lange nicht mit den Milanesen! Blockstreifen in Schwarz-Weiß zeigt Max Mara auf asymmetrisch geknöpften Kurzjacken. Tod’s-Streifen kommen auf burschikosen Zweiteilern daher.

Farbenfroher und sehr casual schickt das Traditionshaus Missoni seine wohlbekannte Strickware ins Streifenrennen. Bis in die letzte Reihe blitzen blaue Balken auf den Augenlidern der Vorführdamen als Beauty-Highlights. Dazu tragen sie Sneakers oder Gladiatorensandalen.

Uns bleibt immer noch Paris …

Wir wechseln nach Paris. Stella McCartney nähert sich Streifen auf subtile Weise – und sehr ausgefeilt. Plissierte Tops und Röcke geben erst in der Bewegung ihre Zweifarbigkeit preis. Als weiteren Clou platziert sie transparenten, gestreiften Stoff so übereinander, dass man meinen könnte, es seien Karos. Daumen hoch für Stella!

Durchsichtig und fluffig – das Motto bei Chloé. Hauchdünne Lagen pastelltoniger Stoffe umspielen die zarten Körper der Models im Luftstrom.

Derber und kompakter bietet dagegen Isabel Marant ihre Ware in Paris feil: Fransen, Bommeln, Kordeln und Nieten, gepaart mit unregelmäßigem Streif.

… oder halt auch New York

Location-Wechsel. Das letzte Geld will in New York verbraten werden. „Stars and Stripes“ inspirieren die Kollektionen von Lacoste und Marc Jacobs.

Letzterer inszeniert ein durchwegs punkig-sportives Defilee. Dabei beglückt er seine Anhänger mit Nadelstreif-Schlaghosen und weiß-roter Unterwäsche. Selbst die Wimpern der Mannequins sind gestrichelt. Das verhilft den Gesichtern zu einer puppigen Optik.

Also, Sie sehen es, meine Damen: Am Streifentrend kommen Sie heuer definitiv nicht vorbei!

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