Bücher schenken

Ein Buch als Weihnachtsgeschenk geht immer. Doch welches ist das richtige? Hier sind Vorschläge für jeden Geschmack

BÜCHER | TOBIAS SCHMITZBERGER | COMPLETE MAGAZIN 4/18

Foto: Ursula Aichner

Manchmal reichen wenige Worte, um zum Lachen, Nachdenken oder Lernen anzuregen. Vor allem, wenn die Worte mit Bildern hinterlegt sind – wie bei Comics. Seit 30 Jahren zeichnet und textet der Autor für die Wochenzeitung „Falter“, in diesem Buch sind 300 seiner Mini-Bildgeschichten gesammelt. Hauptcharaktere sind der Schneemann Wilbur, die Ente Manfred und der kleine, rotznäsige Tobias – es geht um alle (un)möglichen Themen menschlichen Daseins, um mit Buttermilch betankte Autos und was wäre, wenn es keinen Pfeffer gäbe. Wer Wenig-Lesern ein Buch schenken will, sollte zu diesem Bildband greifen.

Tex Rubinowitz: Wilbur: Die aufregend fremde Welt eines Schneemanns
C. Bertelsmann, 20,60 €, 320 S.


Hanna glaubt, ihr Ehemann Robert Lenobel wird verrückt. Sie schreibt seiner Schwester in Dublin, sie solle kommen. Als Jetti Lenobel in Wien landet, ist Robert plötzlich verschwunden. Da erhält Jetti eine Nachricht vom Vermissten: „Ich bitte dich, dass Du mit niemandem darüber sprichst!!! Ich will es so. Ich bin in Israel, dem Land der Väter. Aber an die Väter denke ich nicht.“ Michael Köhlmeiers Roman ist gleichzeitig tragisch und komisch, er beschreibt das Leben einer ungewöhnlichen jüdischen Familie in der heutigen Zeit. Wer österreichische Literatur schenken will, sollte über diesen Roman nachdenken.

Michael Köhlmeier: Bruder und Schwester Lenobel
Carl Hanser, 544 S., € 26,80


Eigentlich ist Yuval Noah Harari Historiker, doch er befasst sich keineswegs nur mit Geschichte. In seinem populären Buch „Homo Deus“ schrieb er etwa darüber, wie die Zukunft der Menschheit aussehen könnte – wobei er unsere Vergangenheit miteinbezog. Dieses Buch handelt nun von der Gegenwart. Wie gehen wir mit Terror um? Gibt es bald einen dritten Weltkrieg? Was sollen wir unsere Kinder lehren? Auf solche und andere Fragen versucht Harari, Antworten zu geben. Vor allem möchte er Leser und Leserinnen anregen, sich den Fragen unserer Zeit zu stellen. Wer neue Ideen schenken will, ist hier gut beraten.

Yuval Noah Harari: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert
C.H. Beck, 459 S., € 25,70


Nicht immer will man einen Roman lesen. Manchmal reichen kürzere Texte – kleine Häppchen, sozusagen. Dann sind Gedichtbände eine gute Option, wie dieses Buch von Julia Engelmann. Sie ist Poetry-Slamerin. Das heißt, sie schreibt Texte und Gedichte und trägt sie vor Publikum vor. Berühmt wurde sie, nachdem ein Video ihres Vortrags „One Day“ im Internet viral ging und millionenfach angesehen wurde. In diesem Buch schreibt sie über die Liebe und das Leben. Es geht um Sehnsucht, Geborgenheit, Füreinander-da-Sein und den eigenen Platz in der Welt. Wer Poesie zum Nachdenken schenken will, kommt an diesem Band nicht vorbei.

Julia Engelmann: Keine Ahnung, ob das Liebe ist
Goldmann, 160 S, € 8,30


3 Fragen an Bernhard Aichner

Der in Innsbruck lebende Autor und Fotograf ist Schöpfer der Max-Broll-Reihe, „Interview mit einem Mörder“ ist Band vier

Max Broll, sozusagen „Detektiv“ der Krimireihe, ist Totengräber. Warum dieser Beruf?
Ich wollte keinen klassischen Ermittler in diesem Krimi. Der Tod ist kaum an einem Ort mehr zuhause als auf dem Friedhof. Deshalb ist Max eine einfache Figur: ein Gemeindearbeiter, der mit dem Tod ständig konfrontiert ist. Ihm zur Seite stellte ich einen Ex-Fußballer, Baroni. Sie sind Blutsbrüder. Ich wollte von einer großen Liebe, einer großen Freundschaft zwischen Männern schreiben. In „Interview mit einem Mörder“ wird Baroni Opfer eines Anschlags. Max führt mit ihm trotzdem Dialoge, weil er den Rat seines Freundes sucht.

Ihr Schreibstil ist stakkatoartig. Kurze Sätze, keine Pausen. Warum mögen Sie es so kurz und knackig?
Ich wollte Bücher schreiben, die wie Filme funktionieren. Vielleicht kommt das davon, dass ich Fotograf bin. Eine Aneinanderreihung von Szenen, es macht „Päm, Päm, Päm!“. Die Leser haben keine Wahl auszusteigen. Mit Landschafts- oder Personenbeschreibungen halte ich mich kaum auf. Es geht um die Handlung. Ich langweile mich beim Lesen ungern, meine Leser und Leserinnen möchte ich auch nicht langweilen.

Sie stammen aus einem Osttiroler Dorf, auch Max lebt in einem kleinen Ort. Wie viel haben die Dörfer gemeinsam?
Max Brolls Dorf ist zu 99 Prozent der Ort, an dem ich aufwuchs. Es hat keinen Namen, aber es ist eine Versöhnung mit meiner Heimat. Ich bin mit 17 von dort weg. An das Dorfleben erinnere ich mich. Ich kenne alles, was in so kleinen Strukturen passiert, Neid und Eifersucht etwa. Aber das Dorf kann im Grunde überall sein. Dörfer funktionieren auf der ganzen Welt gleich.

Bernhard Aichner: Interview mit einem ­Mörder. Ein Max-Broll-Krimi.
288 Seiten, € 10,30 Erscheint bei btb am 10. 12. 2018

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Anzeige

Anzeige