Coole Botschaft aus Kalifornien

Die Botschaft des Tesla S: Elektromobilität darf cool sein und Spaß machen. Die High-End-Version bietet jetzt 700 PS und Allrad

MOBILITÄT | MICHAEL KÖCKRITZ | COMPLETE LUXUS 2/15

Foto: Tesla Motors GmbH

So eine erste Ausfahrt im Model S wird zu einem Paradigmenwechselerlebnis der besonderen Art. Alles konsequent bedienerfreundlich, kein Handgriff zu viel ist erforderlich. Nähert man sich dem Fahrzeug, fahren die Türgriffe automatisch aus. Wer losfahren möchte, muss einfach nur die Bremse betätigen und den Automatikwählhebel in die gewünschte Fahrposition bringen. Start-Knopf oder Lichtschalter? Fehlanzeige.

Neben dem Automatikwählhebel gibt es nur noch den Blinker mit Scheibenwischerfunktion sowie den Tempomat-Hebel, für die Warnblinkanlage und zum Öffnen des Handschuhfachs sind Knöpfe neben einem 17”-Touchscreen untergebracht. Über den Bildschirm wird alles kinderleicht und intuitiv kontrolliert – vom Licht über das Navi bis hin zum Schiebedach.

Dann hört man beim Start: nichts. Kein blubberndes V8-Gebrabbel, kein Boxer-Kreischen. Und dennoch bewegt sich dieses Auto. Und wie. In 3,3 Sekunden beamt man sich mit dem Tesla S P85D von 0 auf 100 km/h, eine abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern markiert die obere Grenze, wenn man in der Stimmung für lustvolle Katapult- und Fahrspaß-experimente sein sollte. Wow! Elektrozukunftsspaß. Nur begleitet von Wind- und Abrollgeräuschen, die sich erst bei extremeren Geschwindigkeiten zu einem sehr eigenen Mix aus Dröhnen, Fauchen und Pfeifen verdichten. Keine Spur von Ökoverdrießlichkeit weit und breit, die manch anderem Elektroauto so unfreundlich anhaftet. Tesla und das Model S setzten die coolen Signale am Set der neuen Elektromobilitätswelt. Nachhaltigkeit kann man zur Abwechslung auch einmal hübsch und freudvoll spielen, lautet die frische Botschaft aus Kalifornien.

Die Limousine bietet sich als gleitender Kokon an. Die Außenwelt bleibt da, wo sie hingehört: draußen. Innen prägt Ruhe. Die Entdeckung der Stille. Wohlfühlatmosphäre. Und wenn dann genug wohlgefühlt wurde, kann man sich via 17-Zoll-Touchscreen und Mobilfunk doch wieder die Außenwelt in die nähere Umgebung holen. Oder eben den Tesla ein wenig von der Leine lassen. Einmal das Gaspedal richtig durchgedrückt und Schluss ist’s mit ruhig. Siehe oben. Zwei Elektromotoren (das „D“ am Ende der Bezeichnung steht für „Dual Motor“) spendieren dann insgesamt 700 PS, die das gut zwei Tonnen schwere Auto mit agiler Leichtigkeit beleben. Die Gewichtsverteilung mit den im Chassis integrierten und unter dem Innenraum platzierten Akkus der 85-kWh-Batterie gibt allen flotteren Optionen neben dem permanenten Allradantrieb zusätzlich Halt. Denn der Schwerpunkt des Stromers liegt so tief wie bei einem Sportwagen – alle Annehmlichkeiten in Sachen Handling und Straßenlage inklusive. Wer sich allerdings allzu oft zu Sprints oder Höchstgeschwindigkeits-Ausflügen verleiten lässt, sollte die Reichweitenanzeige im großen Display sehr ernsthaft im Auge behalten. Bei sportlicher Fahrweise schrumpft die von Tesla versprochene Reichweite von bis zu 480 Kilometern direkt umgekehrt proportional zum Fahrvergnügen. Ansonsten lockt die Kombination aus grundsätzlichem Reichweitenversprechen und inspirierenden Leistungsdaten aber auch gerne zu längeren Ausflügen. Dann punktet nicht nur die ausgefeilte Aerodynamik. Gleich eine ganze Reihe von elektronischen Assistenten sorgt sich um eine verträgliche Langstreckentauglichkeit: Die Belüftungsöffnungen bleiben so lange geschlossen, bis Motor und Akkus nach Kühlung verlangen. Schnellt die Geschwindigkeit nach oben, legt eine schlaue Luftfederung das Model S automatisch tiefer. Türgriffe? Sind eingefahren. Alles eine glatte Oberfläche, über die der Wind brav streicht – und nicht wirbelt.

Apropos Reichweite: Die Ladedauer variiert je nach Anschlussmöglichkeit und reicht von einer knappen Stunde beim Super-Charger bis hin zu über 24 Stunden an einer normalen Haushaltssteckdose.

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