Das schönste Dach des Landes

Eine Tour durch das wildromantische Osttirol

ÖSTERREICH | CLAUDIA STIEGLECKER | COMPLETE MAGAZIN 2/16

Foto: Österreich Werbung/Peter Podpera

Mit oder ohne Topfen, das ist die Frage. Die Zubereitung der Schlipfkrapfen-Füllung, einer Osttiroler Spezialität, wird in jeder einheimischen Familie ein wenig anders überliefert. So oder so, die mit heißer Butter übergossenen Teigtaschen sind immer ein echter Genuss. Genauso typisch und ursprünglich wie die Landschaft, die beherrscht wird von den höchsten Bergen des Landes. Nicht umsonst wird Osttirol das „Dach Österreichs“ genannt: Über 250 Dreitausender geben der Region eine sagenhafte Kulisse.

Schon die Anreise von Norden über die Felbertauernstraße ist ein Erlebnis für sich. Der mit seinen über fünf Kilometern scheinbar endlos lange Tunnel, der den Hauptkamm der Hohen Tauern durchstößt, wirkt wie ein Portal in eine andere Welt. Nach der Tunnelröhre warten sattgrüne Berghänge, die in der Sonne leuchten, glitzernde Wasserfälle und strahlende Schneefelder auf den Gipfeln.

Alle paar Kilometer öffnen sich hier, im Tiroler Teil des Nationalparks Hohe Tauern, kleine Seitentäler. Als schönster Talabschluss der Ostalpen gilt das Gschlössltal, über das die „weltalte Majestät“, der 3.666 Meter hohe Großvenediger, wacht. Bei einer Wanderung durch die wildromantische Umgebung, vorbei an historischen Holzhütten auf Entdeckungsreise zum Salzbodensee, dem „Auge Gottes“ und der in den Stein gehauenen Felsenkapelle, hat man den imposanten Berg stets im Blick.

Auch das etwas weiter südlich gelegene Virgental, das sich beim Matreier Becken nach Westen öffnet, versprüht mit seinen traditionellen Dörfern und alten Bergbauernhöfen authentischen Charme. Die Isel, der letzte frei fließende Gletscherfluss, stürzt bei den Umbalfällen stufenförmig ins Tal. Bis Matrei hat das Wasser 1.400 Höhenmeter überwunden, dann wendet sich die Isel nach Süden und wird zu einem Talfluss, um bei Lienz in die Drau zu münden.

In Lienz, der „Sonnenstadt“ mit rund 200 Sonnentagen im Jahr, waren schon die alten Römer heimisch. Aguntum hieß die Siedlung im jetzigen Dölsach, die im ersten Jahrhundert nach Christus zur Stadt erhoben wurde. Heute zeugen Überreste der Stadtmauer, des Atriumhauses, des Handwerksviertels und der großen Therme von der einzigen römischen Stadt in Tirol.

Westlich von Lienz erstreckt sich das Hochpustertal mit idyllischen Bergdörfern wie Kartitsch oder Obertilliach. Besonders das Villgratental hat sich hier seine Ursprünglichkeit erhalten: Besucher finden weder Lifte noch große Hotels, dafür unberührte Natur und gelebte Tradition. So hält etwa Schafbauer Josef Schett mit seinem Betrieb „Villgrater Natur“ bewusst altes Handwerk am Leben und fertigt Produkte aus naturbelassener Schafwolle.

Die Sommer auf den saftigen Almweiden sorgen bei den Schafen für besonders hochwertige Wolle, aber auch für eine ausgezeichnete Fleischqualität. Ganz gleich ob Lammkeule oder Schlipfkrapfen, zum Abschluss darf ein „Pregler“, der Osttiroler Obstbrand, nicht fehlen. Nach dem Volksmund heißt es: „Der Pregler gibt Kraft und Lebensfreude, schützt vor bösen Geistern und Langeweile, fördert die Verdauung, das Lebensgefühl und so manches andere …“

Tipps

Venedigerhaus Innergschlössl.
Rasten mit typischen Osttiroler Köstlichkeiten im Gschlössltal, auch Übernachtungen sind möglich.

Hinterburg 27, 9971 Matrei in Osttirol
Tel. 04875/88 20
www.venedigerhaus-innergschloess.at

Naturdenkmal Umbalfälle.
Die geballte Schönheit des Nationalparks Hohe Tauern präsentiert sich beim spektakulären Rundgang auf dem Wasserschaupfad.

Nationalpark Hohe Tauern Tirol
Tel. 04875/51 61 10
www.hohetauern.at

Museum Aguntum.
Museum und Ausgrabungsstätte inklusive
18 Meter hohem Aussichtsturm liefern ein beeindruckendes Bild der Römerzeit in den Alpen.

Stribach 97, 9991 Dölsach
Tel. 04852/62 15 50
www.aguntum.info

Obstanzer Eishöhle.
Vom Hochpustertaler Bergdorf Kartitsch geht es über den Prinz-Heinrich-Gedächtnisweg zur Führung durch Eisformationen und Tropfsteine.

Bergschule Alpin – Aktiv – Hochpustertal
Tel. 04842/60 85
www.bergschule-aah.at

Villgrater Natur.
Der Familienbetrieb ist bemüht, altes Handwerk am Leben zu erhalten, und fertigt „Das Beste aus Wolle“.

9932 Innervillgraten 116
Tel. 04843/55 20
www.villgraternatur.at

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