Der Wachmacher

Koffein, eine Substanz mit vielen Facetten

SILKE BRENNER
GENUSS, COMPLETE MAGAZIN 1/21

Foto: Taisiia Stupak/unsplash

Koffein ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und eines der ältesten Aufputschmittel der Welt. Es ist der Hauptwirkstoff des Kaffees, kommt aber nicht nur in der Kaffeebohne, sondern in mehr als 60 weiteren Pflanzen vor – zum Beispiel in den Blättern des Teestrauchs, der Kolanuss oder der Kakaobohne. Auch in Sachen Schönheit ist Koffein beliebt, so soll es beispielsweise im Kaffee-Peeling anregend und durchblutungsfördernd wirken oder als Zusatzstoff im Shampoo die Haarwurzel stärken. Wissenschaftlich nachgewiesen ist diese Wirksamkeit jedoch nicht. Koffein gilt außerdem als mildes Schmerzmittel und kommt in einigen Medikamenten unterstützend zum Einsatz.

Die richtige Dosis

Koffein werden aber nicht nur positive Eigenschaften nachgesagt. In sehr großen Mengen kann die Substanz giftig sein – und zwar eine Dosis von 10 Gramm, was ungefähr 333 Espressi entspricht. Leichte Vergiftungserscheinungen können aber auch schon ab einem Gramm Koffein (etwas mehr als drei Espressi) auftreten. Symptome wie Schlaflosigkeit, Unruhe sowie Herzrasen können die Folge sein. Wie viel Koffein ist also unbedenklich? Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt einem gesunden Erwachsenen, nicht mehr als 200 Milligramm auf einmal und nicht mehr als 400 Milligramm pro Tag zu konsumieren. Schwangere sollten über den gesamten Tag verteilt nicht mehr als 200 Milligramm zu sich nehmen.

Wie wirkt Koffein?

Koffein regt die Ausschüttung der Stresshormone Kortisol und Adrenalin an. Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller – wir werden wacher und aufmerksamer. Dieser munter machende Effekt setzt meist nach etwa 15 bis 30 Minuten ein und hält dann mehrere Stunden an, bis der Stoff wieder abgebaut und über den Urin ausgeschieden wird. Wie schnell das geschieht, ist individuell verschieden. Bei Rauchern sinkt die Konzentration schneller als bei Nichtrauchern, während der Pflanzenstoff bei Frauen teilweise doppelt so lang wirkt wie bei Männern. Neben Geschlecht, Alter und Gewicht können aber auch bestimmte Medikamente die Wirkung beeinflussen. Außerdem spielt der Gewöhnungseffekt eine Rolle: Regelmäßige Kaffeetrinker reagieren weniger stark auf Koffein als Gelegenheitskaffeetrinker. Bekommt der Körper seine gewohnte Dosis Koffein nicht mehr, kann er mit leichten Entzugserscheinungen wie innerer Unruhe reagieren. Wer seinen Kaffeekonsum reduzieren möchte, sollte dies in kleinen Schritten tun. Es muss übrigens nicht immer Koffein sein: Auch Bewegung an der frischen Luft wirkt Wunder und macht munter.

5 Fakten

1. Die Kaffeepflanze bildet Koffein, um sich vor Fressfeinden zu schützen.

2. In chemisch reiner Form ist es ein weißes, geruchloses, bitteres Pulver.

3. Bei täglichen Dosen von mehr als 200 Milligramm reagiert das Gehirn mit Gewöhnungserscheinungen.

4. Der Abbau von Koffein dauert im Schnitt vier Stunden.

5. In Kombination mit Alkohol oder Medikamenten kann es Wechselwirkungen verursachen.


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