Design für die Ewigkeit

Er machte die Firma Braun zur Weltmarke. Seine Produkte sind zeitlos, praktisch und schön. Die Designer von Apple verehren ihn. Er ist der Vater des modernen Designs: Dieter Rams

STIL & DESIGN | MAIK NOVOTNY | COMPLETE LUXUS 2/18

Foto: picturedesk/Thomas Rabsch/laif

Phonosuper SK4. Ein Name wie ein Raumschiff aus einer Science-Fiction-Serie. So sachlich und futuristisch zugleich wie der Name war auch das Produkt, das er bezeichnete, allerdings handelte es sich nicht um ein Raumschiff, sondern um einen Plattenspieler. Ein weißer Korpus, rechts und links mit Holz eingefasst, ein transparenter Plexiglasdeckel darauf als Staubschutz. Klare und einfache Bedienung. 1956 kam er auf den Markt und revolutionierte das Design von Hi-Fi-Geräten grundlegend. Von da an waren Plattenspieler keine tonnenschweren Schranktruhen mehr, sondern genauso groß, wie sie sein mussten, und nicht mehr.

Der Phonosuper SK4 war auch der Startschuss für eine Glanzzeit sowohl seines Designers und seiner Produzenten. 1952 hatten Artur und Erwin Braun eine Abteilung für Formgestaltung eingerichtet, die bis dahin nur regional bekannte Braun OHG sollte bald zur Weltmarke werden. Entworfen wurde der SK4 von Dieter Rams gemeinsam mit Hans Gugelot, Professor an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm. Dieter Rams war nicht nur bis 1997 verantwortlich für die Gestaltung bei Braun, er sollte das moderne Design in Deutschland und darüber hinaus prägen wie kaum ein anderer.

„Wir waren bei Braun überzeugt: Unsere Produkte sind Dinge, die die Leute brauchen und die die Lebensqualität verbessern“, erklärte Rams einmal. Dinge, die instinktiv benutzbar und begreifbar sind, dauerhaft sowohl in Fertigung als auch im Look. Keine Mätzchen, nichts Überflüssiges. Es war das Design der rationalen Nachkriegsmoderne, die perfekte Ergänzung zu den Möbeln des Mid-Century-Modern oder der sachlichen Typografie von Otl Aicher. Wenn man dieses Design in einem Adjektiv bezeichnen müsste, wäre es „aufgeräumt“. Wie schön und elegant diese nüchterne Logik sein kann, bewies etwa sein Taschenrechner ET66, der Jahrzehnte später das Vorbild für die Taschenrechner-App von Apple sein sollte.

Kein Wunder, denn sowohl Apple-CEO Steve Jobs als auch Chefdesigner Jonny Ive bekundeten ihren Respekt für die Klarheit und Präzision der Entwürfe von Dieter Rams, die in den Apple-Produkten ihr Echo finden. Auch um klare Aussagen war Rams nie verlegen: „Guten Geschmack muss man lernen, er ist nicht angeboren“ ist eine davon. Sein eigener Geschmack wurde unter anderem beeinflusst durch japanische Kunst und die Architektur der Romanik mit ihrer ruhigen Einfachheit.

Ein Hauch Japan durchweht auch das von ihm mitentworfene Wohnhaus in der Siedlung „Roter Hang“ im hessischen Kronsberg, in dem er mit seiner Frau seit 1971 lebt: Weiße Räume, schwarze Fensterrahmen, kontemplative Höfe und Gärten. Darin auch von ihm entworfene Möbel, die er seit den 1950er Jahren vor allem gemeinsam mit der Firma Vitsœ entwickelt hat. Der Rams-Bungalow steht heute unter Denkmalschutz – der Hausherr selbst ruht sich nicht auf seinem Lebenswerk aus und ist auch mit 86 Jahren noch in seinem Arbeitszimmer aktiv.

Immer noch aktuell sind seine zehn Thesen zu gutem Design, die er erstmals 1995 veröffentlichte. Gutes Design, so Rams, ist innovativ, ehrlich, unaufdringlich und langlebig. Es macht ein Produkt brauchbar und verständlich und ist konsequent bis ins letzte Detail. Nicht zuletzt sei gutes Design auch umweltfreundlich – mit der Wegwerfgesellschaft hat Dieter Rams nichts am Hut, und Produkte mit eingebautem Verfallsdatum verachtet er. Das Schöne ist eben, um es mit Platon zu sagen, nur schön, wenn es auch wahr und gut ist.

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