Die Vielgeliebte

Sie hat eine Romy und spielt gerade Sissy. Hilde Dalik ist aktuell nicht nur Österreichs beliebteste Schauspielerin, sondern auch die entzückendste. Eine Begegnung mit Verzauberungspotenzial

INTERVIEW / PORTRAIT | CATHERINE GOTTWALD | COMPLETE MAGAZIN 4/18

Foto: Lukas Ilgner

COMPLETE MAGAZIN: — In der sensationellen österreichischen Culture-Clash-Komödie „Womit haben wir das verdient?“ entdecken wir ganz neue Facetten an Ihnen: Sie sind im Film brünett, erzkonservativ und heiratswütig. Ist das nicht etwas spießig?

HILDE DALIK: (lacht) Das kann spießig finden, wer will. Sissy, die Frau, die ich im Film spiele, würde niemals über sich selbst sagen, dass sie spießig sei. Sie ist jung, offen für Neues, hat aber gleichzeitig traditionelle Werte, an denen sie festhalten möchte. Was ist falsch daran, wenn ein frisch verlobtes Paar als Zeichen der Verbundenheit ein Partnerschaftsarmband trägt? Oh Gott! (lacht) Jetzt fange ich schon wieder damit an, die Beweggründe und Charakterzüge meiner Filmfiguren zu verteidigen. Die private Hilde ist übrigens wieder blond.

— Und bleibt auch blond?
Natürlich. Das passt auch besser zu mir.

— In „Womit haben wir das verdient?“ ist Sissy die Einzige im atheistischen Patchwork-Clan ihres Verlobten Harald (dargestellt von Simon Schwarz), die instinktiv richtig reagiert, als Haralds Teenagertochter aus erster Ehe online zum Islam konvertiert. Wie gelingt es der überzeugten Katholikin, so verständnisvoll zu reagieren?
Während sich Haralds Patchwork-Familie bewusst gegen herkömmliche Familientraditionen und für absolute Religionsfreiheit entscheidet, möchte Neuzugang Sissy ein neues, eigenes Kapitel in der bunten Familiengeschichte aufschlagen. Das gefällt natürlich nicht allen, aber mit der 16-jährigen Teenagertochter gibt es möglicherweise eine Gesprächsbasis.

— Bei Ihnen hat man das Gefühl, der österreichische Film liebt Sie und Sie lieben ihn zurück …
Das stimmt. Wenn das Drehbuch interessant ist und ich dem Team vertraue, bin ich dabei. Im Gegensatz zum US-Kino und der Kinokultur in Deutschland und Frankreich hat der österreichische Film noch etwas Nachholbedarf beim „Sich-selber-Feiern“. Man kann ruhig stolz sein und sich gegenseitig unterstützen.

— Apropos „stolz sein“: 2018 haben Sie die Romy in der Kategorie „Beliebteste Schauspielerin einer Serie“ für Ihre Rolle der Vanessa in „Vorstadtweiber“ abgesahnt. Bei der Verleihung wirkten Sie emotional bewegt.
Diese Arbeit hat mich so beglückt und deswegen hat mir dieser Preis auch so viel bedeutet. Der Vorteil einer Serie ist, dass man so tief in die Seele der Figur, die man darstellt, reingreifen kann, man kann so viel finden und so viel entwickeln. Im Film hat man dafür nur 90 Minuten Zeit, in der Serie zehn Stunden oder das sogar über mehrere Staffeln.

— Was können wir also von Vanessa in der vierten Staffel der „Vorstadtweiber“ erwarten?
Das darf ich natürlich nicht verraten! Nur so viel: Vanessa hat sich sehr verändert, eine schwere Zeit hinter sich und gestaltet ihre Beziehung zu den Vorstadtweibern neu. Es wird urspannend!

— Wissen Sie, dass Sie in Österreich als Traumfrau gelten?
Ach so? Da schau her! Die Wahrnehmung meiner Person ist ziemlich unterschiedlich. Aber tatsächlich hat mich ein Boulevardblatt einmal am Cover abgebildet und als „Austro-Nackedei“ betitelt.

— Der Name Hilde Dalik steht auch in Verbindung mit einem Flüchtlingsprojekt.
Richtig. Seit 2013 arbeite ich ehrenamtlich. Unser 2014 für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gegründete Verein Chong hat eben einen Vereinsraum gefunden, in dem man sich treffen und vor Ort direkt Deutschkurse abhalten kann. Jeder arbeitet dort ehrenamtlich, vom Begleiten bei Behördenwegen bis zum Sprachunterricht. Ich bin für jede Hilfe dankbar. Wir suchen gerade dringend eine Lagerhalle für unsere Sachspenden. Besonders engagiert ist meine „Vorstadtweiber“-Kollegin Susi Stach – sie spielt in der Serie Franziska Pudschedl. Gemeinsam schauen wir, dass was weitergeht.

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