Effizienz statt Energieverschwendung

Smarte Gadgets, die beim Energiesparen helfen, oder der Rückgriff auf leicht zu Reparierendes: Es gibt viele Möglichkeiten, Energie und Ressourcen zu sparen

ANDREAS TANZER
ELEKTRO, COMPLETE MAGAZIN 3/20

Foto: House Of Marley

Kleinvieh macht auch Mist. So erklärt sich, dass Streaming mittlerweile zu den signifikanten CO2-Quellen gehört. Die Server des Anbieters, die Internet-Infrastruktur, das alles verbraucht Strom. In Summe war der weltweit dem Streaming zuordenbare CO2-Ausstoß 2019 so groß wie die Gesamt-CO2-Emission von Spanien. Die Sat-Schüssel ist im Betrieb umweltfreundlicher als Netflix & Co. Beim Binge-Watching öfter mal Pause zu machen und etwas anderes zu unternehmen ist jedenfalls auch aus ökologischen Gründen ratsam. Oft Gehörtes etwa bei Spotify herunterzuladen, als immer neu zu streamen, hilft ebenfalls. Und das gute alte UKW ist im Zweifel besser als Internetradio – bei gutem Empfang oft auch klanglich.

Was die Audio-Gerätschaften angeht, so ist zumindest bei Vielhörern die Technik im Verstärker entscheidend. Class A mag klanglich als Königsweg gelten, das Schaltungskonzept ist wegen des hohen Ruhestroms aus Umweltsicht aber zweifelhaft. Daher wird meist der Kompromiss Class AB gewählt. Die weitaus energieeffizientesten Verstärker sind Class D, sogenannte Schaltverstärker. Klar sind für den Hi-Fi-Freund andere Kriterien wichtiger als der Stromverbrauch. Aber mittlerweile findet sich Class D nicht nur bei kompakten Geräten und Aktivboxen, sondern auch im High-End-Bereich in praktisch jeder Preis- und Qualitätsregion.

Glück haben Videofans. Zwar sind die immer größeren Displays aus umwelttechnischer Sicht grundsätzlich ein fragwürdiger Trend, aber wenigstens ist die qualitativ beste Technologie, nämlich OLED, gleichzeitig auch jene, die prinzipbedingt am energieeffizientesten ist. Falls wer zu Beamern tendiert, bieten sich die immer leistungsfähigeren Laserbeamer an.

So wichtig die klassische Unterhaltungselektronik im Wohnzimmer ist, die großen Verbraucher im Haushalt befinden sich in Küche und Bad. Dass moderne Waschmaschinen und Kühlschränke wesentlich energieeffizienter sind als Altgeräte und sich so eine Neuinvestition ökologisch wie finanziell lohnen kann, ist hinlänglich bekannt. Allerdings steckt in jedem Gerät auch jede Menge Energie, die der Herstellungsprozess verschlungen hat. Alle paar Jahre neu kaufen ist also auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit sind daher beim Kauf wichtige Kriterien. Die Frage, welche Marken hier wie gut abschneiden, beantworten Konsumentenschützer, Fachhändler und einschlägige Foren. Auch ein Blick auf die Hersteller-Hompage gibt einen Eindruck von der Ersatzteilversorgung, wobei nicht nur die prinzipielle Verfügbarkeit ein Thema ist, sondern auch, wie schnell sie bei Bedarf ankommen.

Großes Potenzial hat die Heizung, insbesondere auch deren optimale Regelung. Das komplett vernetzte Smart Home, in dem praktisch alles von allein geschieht, wird schon seit geraumer Zeit beschworen, ist aber noch Nischenprogramm. Zum Glück bieten verschiedene Hersteller einsteigerfreundliche Lösungen für einzelne Funktionen wie Licht oder Heizung an. Per App steuerbare WLAN-Thermostate können ohne großen Aufwand an Standardheizkörper nachgerüstet werden. Oft ist eine separate Zentraleinheit erforderlich – und der Einsatz von Batterien verschlechtert die Umweltbilanz ein wenig, Inwieweit die versprochenen Energieeinsparungen tatsächlich erzielt werden, muss die Praxis im Einzelfall zeigen. Zusätzlich versprechen smarte, auch aus der Entfernung – etwa bereits am Heimweg – regelbare Thermostate ein Plus an Bequemlichkeit, sodass die Installation jedenfalls einen Versuch wert ist.


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