Feine Schaumschläger

Einblick in die Hans Baier Exclusive Rasierpinselfabrik

STIL & DESIGN | STEPHANIE RUGEL | COMPLETE LUXUS 2/18

Foto: Nini Tschavoll

Das Geschäft mit der männlichen Gesichtsbehaarung boomt, wie Pilze sind Barbershops in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen. Dabei gehört die Kunst des Nassscherens wohl zu den ältesten Kulturhandlungen des Menschen, wie archäologische Funde von Rasierschabern aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus belegen.

Mit einer scharfen Klinge alleine ist es allerdings nicht getan. Für die perfekte Rasur benötigt Mann ein zweites Handwerkszeug, den Rasierpinsel. Ein kleiner Familienbetrieb in Nordrhein-Westfalen stellt ihn seit Mitte der 1920er Jahre und inzwischen in vierter Generation her.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann Familie Baier mit der Produktion von Seifen und Puder im eigenen Wohnhaus. Nachdem der Urgroßvater auf einer Messe erstmals auch Rasiersets und Zubehör aus Italien vorgestellt hatte, wurde er zunächst belächelt. Doch der Erfolg gab ihm recht. Der gepflegte Herr hatte durchaus auch in Deutschland Bedarf an Bartpflege-Utensilien.

Und so wurde aus der Wohnzimmerproduktion langsam eine gefragte Manufaktur für Rasierpinsel. Inzwischen ist die Hans Baier Exclusive Rasierpinselfabrik in Langenfeld eine der letzten Firmen in Deutschland, die die formschönen Schaumschläger noch von Hand herstellt. Produkte, die heute wieder sehr gefragt sind.

Je nach Größe des Pinsels werden pro Stück 10.000 bis 50.000 Haare verarbeitet. Ob synthetisches oder Tierhaar, entscheidet der Kunde. Und der rasiert nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Hans Baier beliefert Parfümerien, Friseure, Drogerien und Stahlwarengeschäfte rund um den Globus.

Diese schätzen neben der sorgfältigen Handarbeit auch die außergewöhnlich große Produktpalette. Zwischen fünf Pinselgrößen und aus 100 verschiedenen Griffmaterialien von Plastik bis Pflaumen- oder Walnussholz kann der Kunde wählen. Und sie mit seiner bevorzugten Haarqualität bestücken lassen.

„Wenn man das Herstellen des Griffs, das Zurichten der Haare und die finale Produktion zusammenzählt, kommt man auf etwa vier Stunden pro Pinsel“, erklärt Mitarbeiter Lutz Bartmann. Wer sich so ein aufwendig produziertes Tool leisten möchte, muss mit Preisen zwischen 50 und 170 Euro rechnen. Bei guter Pflege hält es dafür auch fünf Jahre.

Danach sollte ein struppig gewordener Pinsel aber auf keinen Fall weggeworfen werden, denn bei Baier wird auch restauriert. Ist der Griff vom alten Haar befreit, wird er mit einem neuen Bündel bestückt, das durch Klopfen in eine Form zum charakteristisch runden Pinselkopf wird. Im Unterschied zu preisgünstigeren Herstellern werden die Pinselhaare bei Baier nämlich nicht beschnitten. So kann kein Wasser eindringen und sie brüchig werden lassen. Ein entscheidender Unterschied, der sich in der Lebensdauer der Pinsel niederschlägt.

Anschließend fixiert spezieller Pinselkitt die Haare. „Der Pinsel darf danach nicht bewegt werden, damit die Haare nicht schief trocknen. Das Trocknen dauert über Nacht, danach kann der Rasierpinsel verwendet werden“, so Bartmann. Dass der Herr mit dem klingenden Namen stets perfekt rasiert ist, versteht sich von selbst.

In Wien erhältlich bei:
Solinger

Deckenbacher und Blümner
Kärntner Str. 21-23, 1010 Wien

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