Guter Rat für heuer

Stark ist, wer sich helfen lässt – von schlauen Büchern.
Es ist nie zu spät, sich neu zu erfinden

BÜCHER | TIZ SCHAFFER | COMPLETE MAGAZIN 1/17

Silberschneider war allein – mit sich und dem Text (Foto: Christian Jungwirth)

Chris Anderson: TED Talks.
Die Kunst der öffentlichen Rede. Das offizielle Handbuch.
Fischer, 288 S., € 17,50

Ihr Puls ist erhöht? Sie denken wohl gerade an die Rede, die Sie demnächst halten. Und befürchten, dass der Vortrag nicht zünden wird. Fehlt der rote Faden, geben Sie zu viel Persönliches preis? Treten Sie nun mit Skript vor die Zuhörerschaft, oder sprechen Sie frei? Solchen Fragen widmet sich Chris Anderson, seit Jahren der Kopf hinter den „TED Talks“ – ein Format mit Ursprung in Kalifornien. Heute treten Menschen weltweit auf TED-Konferenzen vor ein Laienpublikum. Um es zu begeistern, zu informieren oder zu überzeugen. Wie der Funke überspringen könnte, erläutert Anderson sachlich und zielorientiert.


Jen Sincero: Du bist der Hammer! Hör endlich auf, an deiner Großartigkeit zu zweifeln, und beginn ein fantastisches Leben. Ariston,
304 S., € 17,50

Jeder Mensch ist einzigartig. Wie weit man sich in seiner Einzigartigkeit gefällt, ist eine andere Frage. Jen Sincero gefiel sich in ihrem früheren Leben nicht. „Ich fühlte mich, als durchlief ich mein Leben völlig mechanisch und halbherzig.“ Wie nun der Weg aus dem Jammertal aussehen könnte, legt sie instruktiv und unterhaltsam dar. Mitunter ist die Kombi aus esoterisch verbrämter Weltdeutung, Küchenpsychologie und saloppem Formulierungsstil etwas schwer zu verdauen. Mitnehmen kann man dennoch genug, eines zwingend – etwas mehr Selbstliebe hat noch niemandem geschadet.


Michael Lewis: Aus der Welt.
Grenzen der Entscheidung oder Eine Freundschaft, die unser Denken verändert hat. Campus, 359 S., € 24,95

Der US-Wirtschaftsjournalist Michael Lewis ist Bestsellerautor. Auf Basis seiner Sachbücher wurden sogar Filme gedreht ( „The Big Short“, „Moneyball“). Nun widmet er sich einem Thema, das uns das Leben schwer macht – das Treffen von Entscheidungen. Dem nähert er sich, indem er die Geschichte zweier berühmter Wissenschafter und Psychologen erzählt – Daniel Kahneman und Amos Tversky. Sie gelten als die Begründer der Verhaltensökonomie. Die Lektüre ist lehrreich. Wenn man schon ständig die falschen Entscheidungen trifft, sollte man zumindest wissen, warum.


Tineke Osterloh: Stark im Wandel. Lebensveränderungen annehmen und aktiv gestalten. GU, 160 S. (mit CD), € 18,50

Es ist ein einfühlsamer, mitunter betulicher Grundton des Erzählens, den Tineke Osterloh gefunden hat. Wer im Wind der Veränderung steht, wird ihn als wohltuend empfinden. Denn anstehende Umbrüche, ob gewollt oder ungewollt, sind meist auch Anlass für Besorgnis. Deshalb ist es in Zeiten des Wandels wichtig, Ruhe zu bewahren und einen Weg zu finden, wie man aus einem Erneuerungsprozess um zwei Zentimeter größer hervorgeht. Osterloh ist nicht nur ein erfahrener Coach, sondern als Meditationslehrerin auch mit den buddhistischen Weisheitslehren vertraut. Nehmen Sie an! Und lassen Sie los!


3 Fragen an

Johannes Silberschneider. Der in München lebende Schauspieler findet das Einsprechen von Hörspielen irre. Jetzt war er für das Projekt „Das Schloss“ von Kafka im Einsatz

Was ist das Besondere daran, an einem Hörspiel wie „Das Schloss“ mitzuwirken?

Ich habe mit Hörspielen erst relativ spät angefangen, vor ein paar Jahren durch Zufall. Mit „Die Blendung“ von Elias Canetti. Da hat sich für mich eine neue Welt aufgetan, als würde ich lesen lernen. Ich habe es mit Legospielen verglichen – du wirst in Ruhe gelassen und lässt eine Welt entstehen, nur indem du liest. Du lässt aber nicht nur eine Welt entstehen, du entdeckst sie auch gleichzeitig – das ist irre. Man fühlt sich, als wäre man sowohl der Regisseur, der Drehbuchschreiber als auch das Geschehen.

Waren Sie alleine im Studio?

Ja, bei dieser Rolle war ich alleine. Das habe ich eigentlich am liebsten. Andere Mitwirkende wie Wolfram Berger, Devid Striesow oder Corinna Harfouch habe ich nicht zu Gesicht bekommen. Natürlich gibt es auch Projekte, bei denen man mit mehreren Kollegen zusammen agiert. Das ist wieder eine ganz andere Herausforderung. Nur bei Klaus Buhlert, dem Regisseur von „Das Schloss“, treffen sich die einzelnen Sprecher eigentlich nie, soweit ich weiß.

Haben Sie Ihren Part in einem Aufwaschen gelesen?

Die Rolle die ich hatte, war nicht so groß. Ich habe einen Mann namens Bürgel gesprochen, den der Hauptprotagonist K. nicht einschlafen lassen will, ihn dauernd anredet. Ich war an die drei Stunden im Studio. Das ist wie bei einer Theaterprobe, da ist man im Fluss. Ich lasse mir ja auch meistens das Licht abdrehen, bis auf einen kleinen Lichtkegel, der den Text beleuchtet. Hin und wieder kommt vielleicht der Regisseur rein und man bespricht etwas. Aber eigentlich ist man allein – mit sich und dem Text.

Franz Kafka:
Das Schloss
der Hörverlag,
12 CDs, € 49,99

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