Hammer-Händchen

Jakob Pöltl ist der erste Österreicher in der NBA. Statt Gmunden oder Kapfenberg stehen nun Los Angeles oder New York auf seinem Spielplan

INTERVIEW / PORTRAIT | STEPHAN WABL | COMPLETE MAGAZIN 1/17

Foto: Helmut Fohringer/APA/picturedesk.com

Jakob ging noch, aber bei Pöltl haperte es schon. „Wie spricht man Ihren Namen richtig aus?“, lautete im vergangenen Jahr eine beliebte Frage an Jakob Pöltl. Nach zwei erfolgreichen Jahren als Spieler am College in Salt Lake City wechselte der Wiener im Sommer 2016 als erster Österreicher in die NBA zum Topklub Toronto Raptors. Mittlerweile ist der Name des 21-Jährigen vollständig in der besten Basketballliga der Welt angekommen. „Oh, Pöltl with the Austrian Hammer“, hieß es wenige Wochen nach Pöltls NBA-Debüt, als dieser mit einem spektakulären „Dunk“ – einem Wurf, bei dem der Ball in den Korb gestopft wird – auf sich aufmerksam machte.

Angekommen ist Pöltl mittlerweile auch in seiner neuen Heimat. „Downtown finde ich mich in Toronto mittlerweile ganz gut zurecht, einen Lieblingsort habe ich aber noch nicht“, erzählt der 213 Zentimeter große „Center“ über die kanadische Metropole.

Von der Tribüne aufs Parkett

Begonnen hat der Traum von der großen Basketballwelt im Jahr 2010 in der legendärsten Sportarena der Welt: dem Madison Square Garden in New York. Damals besuchte Pöltl sein erstes NBA-Spiel zwischen den New York Knicks und den Washington Wizards. Die Stimmung und das Flair ließen ihn seither nicht mehr los. Im Februar kehrte er an diesen magischen Ort zurück; jedoch nicht als Zuseher auf der Tribüne, sondern als NBA-Spieler am Parkett. „Die Freude war sehr groß, im Dress der Raptors zurückkehren zu können. Ich habe meinen Traum verwirklicht. Aber mein Weg ist noch lange nicht zu Ende“, so Pöltl über das Wiedersehen mit den New York Knicks im Madison Square Garden.

Konkrete Züge nahm der lange Weg erstmals im Sommer 2013 an, als er von Andy Hill, dem Assistenz-Coach seiner späteren College-Mannschaft, bei den U18-Europameisterschaften in Mazedonien gescoutet wurde. „Manchmal siehst du einen Jungen und es ist dir sofort klar, dass du ihn verpflichten willst“, beschreibt Hill seinen ersten Eindruck von Pöltl. Der damals 17-Jährige ging gerade in seine erste Saison in der österreichischen Bundesliga. Ein Jahr später wechselte Pöltl ans College in Salt Lake City zu den Runnin’ Utes. Seinem Ausbildungsverein, den Vienna D. C. Timberwolves, ist er bis heute dankbar: „Der Verein hat sich in meiner Jugend sehr intensiv um mich gekümmert, das positive Umfeld hat mich extrem stark geprägt.“

Los Angeles statt Kapfenberg

Mittlerweile reist der 21-Jährige nicht mehr zu Spielen nach Fürstenfeld, Gmunden oder Kapfenberg, sondern nach Los Angeles, Chicago, Miami oder Dallas – und das manchmal innerhalb weniger Tage. „Dass die Reiseintensität in der NBA hoch ist, war mir klar.“ Alles aber halb so schlimm, meint der junge Mann mit den langen Beinen, da die Zeitverschiebung nie mehr als drei Stunden betrage. „Schade ist aber, dass ich von den Städten – abgesehen vom Flughafen, dem Hotel und der Halle – so gut wie nichts mitbekomme.“

Mit seinen ersten Monaten in der NBA ist Pöltl zufrieden, seine Mannschaft gehört zu den besten vier Teams der stärksten Basketballliga der Welt. Durchschnittlich zehn Minuten Einsatzzeit pro Spiel und 2,3 Punkte sind solide Werte für einen „Rookie“. Im Vorjahr scheiterte sein Klub aus Toronto, der einzige NBA-Verein aus Kanada, erst am späteren Champion Cleveland Cavaliers. Pöltl schätzt seinen Stand als Neuling realistisch ein: „Ich muss bereit sein, wenn mein Team mich braucht, und das hat bisher sehr gut funktioniert. Zu Beginn habe ich von Verletzungen meiner Mitspieler profitiert und habe viel Einsatzzeit bekommen. Das hat sich zuletzt wieder eingependelt.“

Dass der Basketballsport durch den Wiener in seiner alten Heimat wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt, freut ihn: „Sportler haben eine Vorbildfunktion. Ich hoffe, dass mein Weg nicht nur begeistert, sondern vor allem Kinder und Jugendliche zur Bewegung motiviert.“

Ein Titel ist sicher

So richtig zur Sache geht es für den 21-Jährigen, der in seinem ersten Jahr rund 1,1, Millionen Dollar verdient, aber erst Mitte April, wenn die Play-off-Spiele um den Titel beginnen. Am Weg dorthin könnte es ein Wiedersehen mit dem Vorjahresmeister Cleveland Cavaliers geben. Der Klub um den Superstar und Olympiasieger LeBron James ließ Pöltl und die Toronto Raptors im direkten Duell bislang allerdings schlecht aussehen. „Ihn zu stoppen ist extrem schwierig, da er unglaublich athletisch, kräftig und technisch stark ist. Man kann ihn nur als Team in Schach halten. Nicht umsonst hat er in den letzten fünf Jahren dreimal die Meisterschaft gewonnen“, ist der Wiener überzeugt.

Bis zu einem Meistertitel ist es für Jakob Pöltl noch ein langer Weg. Den
Titel „Erster Österreicher in der NBA“ kann ihm aber niemand mehr nehmen. „Das fühlt sich gut an. So richtig stolz bin ich aber erst, wenn ich mich ganz durchgesetzt habe.“

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