Nächster Halt: Schweiz

Mit ihrer großartigen Berg- und Seenwelt, ihren lebendigen Städten und der vielfältigen Kultur verspricht die Schweiz einzigartige Reiseerlebnisse. Vieles spricht dafür, sie mit der Bahn zu erkunden – am besten an Bord eines Panoramazugs auf der Grand Train Tour of Switzerland

REISE | HARALD SAGER | COMPLETE LUXUS 1/18

Foto: Andrea Badrutt

Welche Art des Reisens wäre entspannter? Man steigt zu Hause am Bahnhof ein, nimmt Platz, lässt die Landschaften an sich vorbeiziehen, geht zwischendurch ins Bordrestaurant – genießt. Am Ende steigt man am Urlaubsort aus. Bahnfahren ist aber nicht nur entspannend, sondern auch praktisch: So kann man sein Ticket online oder am Smartphone kaufen. Oder man lässt Koffer und Taschen, die man nicht mitschleppen möchte, mit dem Gepäckservice der Bahn vorausschicken.

Von Österreich aus ist die Zugfahrt in die Schweiz besonders schnell und günstig: Man reist tagsüber mit dem Railjet oder Eurocity oder mit einmal schlafen im Nightjet, und schon ist man am Urlaubsort. Schon ab 19 Euro geht es etwa von Innsbruck nach Zürich. Sobald der Zug die Grenze überquert hat, fügt er sich in den präzise getakteten Fahrplan ein, in dem die Schweizer Bahnen, Busse und Schiffe miteinander verzahnt sind.

Die Schweiz ist das Ziel

… und die Bahn ist der Weg. Der wiederum muss nicht unbedingt an einen bestimmten Urlaubsort führen. Wer die ganze Schweiz in all ihrer Vielfalt ansteuern will, tut das am besten auf der Grand Train Tour of Switzerland. Auf dieser Route zwischen St. Moritz und Genf, zwischen Zürich und Lugano locken einzigartige Landschaften mit Gletscherregionen, Bergseen und schwindelerregend hohen Eisenbahnviadukten, mit urigen Dörfern und traditionellen Städten. Großes Plus: Die Grand Train Tour, die auf 1.280 Kilometern die schönsten acht Panoramarouten des Landes vereint, lässt sich mit nur einem Ticket, dem Swiss Travel Pass, erleben.

Warum nicht gleich in Zürich beginnen, der multikulturellsten Metropole der Schweiz? Zürich enthält in der Nussschale vieles von dem, was der Urlauber im ganzen Land zu sehen bekommt: eine historische Altstadt, aber auch viel Moderne, ein großartiges Shopping-, kulinarisches und kulturelles Angebot, einen sauberen Fluss und herrliche Ausblicke auf den See und die Berge im Hintergrund.

Wie können die weiteren Etappen auf der Grand Train Tour aussehen? Zum Beispiel so: zunächst in Richtung Ostschweiz, vorbei am tosenden Rheinfall und der Stadt Schaffhausen mit ihrem Wahrzeichen, der Festung Munot. Bald schon kommt der Bodensee in Sicht, an dessen Ufer es bis nach St. Gallen weitergeht. Im wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Ostschweiz lockt beispielsweise ein Besuch des Stiftsbezirks – ein UNESCO-Weltkulturerbe – mit seiner Bibliothek. Weiter geht es via Sargans und Chur nach St. Moritz, dem Glamour-Ort schlechthin. Im hochalpinen Bernina Express wird man über den Berninapass und das Val Poschiavo ins Tal zurück nach Tirano befördert. Dort steigen die Passagiere auf den Bernina Express Bus nach Lugano um.

Die nächste Etappe ist die weltberühmte Gotthard-Panoramastrecke an Bord des Gotthard Panorama Express. In Flüelen am Vierwaldstättersee steigen die Reisenden auf einen historischen Raddampfer um, genießen die Ausblicke auf Rigi, Bürgenstock, Titlis und Pilatus, die Hausberge von Luzern, und tuckern ebendort hin. Weitere Etappen sind Luzern–Zürich–Montreux oder auch Luzern–Montreux via Interlaken Ost, die ab Zweisimmen mit dem GoldenPass-Panoramic-Zug gefahren wird. Die Strecke führt weiter in Richtung Zermatt, wobei sie ab Brig auf dem Schmalspurnetz der Matterhorn Gotthard Bahn geführt wird. Schon bald ist das Matterhorn, der völlig zu Recht meistfotografierte Berg der Welt, sichtbar. Vom Parade-Skiort Zermatt geht es mit dem Glacier Express nach St. Moritz. Zuletzt führt die Grand Train Tour via Chur und Sargans zurück nach Österreich.

Von den Gletschern zu den Palmen

Ein Bahnerlebnis bleibt dabei mit Sicherheit ganz besonders in Erinnerung: die spektakuläre Alpenüberquerung mit dem Bernina Express. Von Chur aus klettert der brandrote Zug ins Engadin und bis hinauf zum 2.253 Meter hoch gelegenen Ospizio Bernina. Bei Filisur rollt er filmreif über das 65 Meter hohe Landwasserviadukt. Weiter geht’s durch 55 Tunnel und über 196 Brücken. Die Steigungen von bis zu 70 Promille steckt er ohne Murren weg, und spätestens wenn das erste Gletscherglitzern durch die Zugscheiben funkelt, hält es niemanden mehr auf seinem Sitz. Danach schlängelt sich der Bernina Express gemächlich durchs Val Poschiavo bis ins italienische Veltlin.

Keine Strecke ist landschaftlich so kontrastreich, keine andere Bahnlinie verbindet Nord und Süd auf so nahtlose Weise wie der Bernina Express. Im Panoramazug wird die Schönheit der Alpen buchstäblich erfahrbar. Wobei die gut viereinhalbstündige Fahrt einen eindrucksvollen Szenenwechsel bereithält: Eben noch hat man sich dem rauen Charme des Hochgebirges hingegeben – und plötzlich findet man sich im mediterranen Tirano unter Palmen wieder. Vom Gletscher- zum Zitroneneis, sozusagen.

Das von Gletschern und tiefblauen Bergseen geprägte Engadin, das sonnenverwöhnte Puschlav und Albulatal mit seinen tiefen Schluchten, wilden Gebirgsbächen, beeindruckenden Ruinen und Kirchen sind nur einige der landschaftlichen Höhepunkte auf der 144 Kilometer langen Strecke. Und es wäre nicht die Schweiz, wenn nicht auch für Komfort im Zug gesorgt wäre: Seit dem Jahr 2000 hat der Bernina Express Panoramawaggons mit großformatigen Fenstern und Vollklimatisierung. Die Verköstigung an Bord betont den lokalen Einschlag, mit Churer Nusstörtli, Puschlaver Kräutertee, Engadiner Totenbeinli, Calanda Bier und vielen weiteren Köstlichkeiten.

Jene, die noch mehr Südluft schnuppern möchten, können die Reise ab Tirano mit dem Bernina Express Bus fortsetzen. Diese führt durch das Veltlin mit seinen weitläufigen Weinbergen und entlang des Comersees zurück in die Schweiz, nach Lugano.

Eine Bahnstrecke als UNESCO-Welterbe

Ein Teil der Strecke des Bernina Express, genauer die Etappe zwischen Thusis und Tirano in der Landschaft Albula/Bernina, ist im Jahr 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärt worden. Diese mehr als hundert Jahre alte, 122 Kilometer lange Route ist mit ihren Viadukten, Galerien und Kehrtunnels eine bautechnische Meisterleistung, die sich zudem harmonisch in die Landschaften einfügt. Natur und Technik spielen hier ineinander und sind ein gutes Bespiel dafür, wie hochalpine Landschaften erschlossen werden können, ohne diese zu opfern.

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