Ohne Müll geht’s auch!

Oder zumindest mit weniger. Zero Waste macht’s möglich und findet für vieles umweltfreundliche Alternativen

HANNAH JUTZ
THEMA, COMPLETE MAGAZIN 3/20

Foto: Laura Mitulla / Unsplash

Acht Uhr früh – Zähneputzen. Die Zahnpastatube ist schon wieder leer und landet im Müll. Nach einer Tasse Kaffee gesellen sich Filter und Satz dazu. Auf dem Weg zur Arbeit wird die Plastikverpackung des Müsliriegels in die Hosentasche gestopft. Beim Mittagessen geht’s weiter: Alufolie vom Brötchen, die Plastikschale vom Salat und die Pizzabox teilen sich den ohnehin begrenzten Platz im Mülleimer. Am Heimweg wird im Supermarkt noch schnell fürs Abendessen eingekauft: Nudeln in der Plastikverpackung, Orangensaft in der Plastikflasche und Salat in der Plastikschale.

Man könnte meinen, wir müssten im Müll ertrinken – und das tun wir auch: 564 Kilo verursachte der Durchschnittsösterreicher und die Durchschnittsösterreicherin im Jahr 2016. Das entspricht in etwa dem Gewicht eines ausgewachsenen Pferdes, braucht aber viel mehr Platz. Denn eine leere Plastikflasche wiegt gerade einmal 35 Gramm. Die Ressourcen, die bei der Herstellung verbraucht werden, sind hier noch nicht eingerechnet. Es gibt aber einen Trend, der dem Müll den Kampf ansagt: Zero Waste. Dabei geht es um einen Lebensstil, der möglichst wenig Abfall produziert und ressourcenschonend ist. Das funktioniert zum Beispiel durch Verzicht, Abfallvermeidung, Up- und Recycling oder mit Reparaturen. Klingt aufwendig, muss es aber nicht sein. Und wer es richtig macht, kann sogar Geld sparen.

Die größte Müllquelle ist und bleibt das Essen. Wer selbst kocht, kämpft mit hundertfach verpackten Lebensmitteln und Küchenabfällen. Müll sparen fängt beim Einkauf an: In Unverpacktläden und auf Märkten kann man eigene Behältnisse mitbringen. Diese werden vor Ort gefüllt, abgewogen und am besten in der mitgebrachten Tasche nach Hause getragen. Auch in manchen Supermärkten kann die Feinkost an der Theke in mitgebrachten Boxen abgewogen werden, und in mehreren Drogeriemärkten gibt es das Waschmittel zum Selbst­abfüllen. Wenn’s nicht ohne geht: Lieber zu recycelbarer Papier- oder Glasverpackung greifen. Plastiksäckchen für Obst, Gemüse oder Brot können mehrmals verwendet und mitgebracht werden. Noch nachhaltiger sind waschbare Obst- und Gemüsenetze und Bienenwachstücher, die selbst gemacht oder für kleines Geld gekauft werden können. Obst und Gemüse kann übrigens auch unverpackt aufs Kassenband. Wer auswärts isst, kann eigene Take-away-Boxen mitbringen oder darauf achten, dass das Essen in recycelbaren Behältern verpackt ist.

Das Bad ist die nächste Müll-Gefahrenzone: Shampoo- und Duschgelflaschen, die Zahnbürste und -pasta, der Rasierer und so weiter. Hier kann man sich auf Altbewährtes besinnen: Feste Seifen oder Shampoobars kommen ohne Plastik aus. Der Rasierhobel rasiert mindestens so gut wie jeder Einwegrasierer, ist günstiger, weil langlebig, und ressourcenschonend im Vergleich zu elektrischen Rasierern. Bambuszahnbürsten und selbst gemachte Zahnpasta aus Kokosöl halten den Mund sauber. Kokosöl ist übrigens auch ein wunderbarer Ersatz für Hautcreme, wirkt antibakteriell und kann mit einem Mikrofasertuch zum Abschminken verwendet werden. In Verbindung mit Natron eignet es sich als Deo-Alternative und ist aluminiumfrei! Besonders viel Müll sparen können Frauen bei der Monatshygiene. Eine Menstruationstasse hält bis zu zehn Jahre lang und ersetzt Tausende Tampons, die in dieser Zeit benötigt werden. Auch bei Slipeinlagen oder Binden gibt es Alternativen aus Baumwolle, die einfach mitgewaschen und aus alten Stoffresten selbst genäht werden können.

Grundsätzlich gilt: Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Wer jeden Tag die Trinkflasche zum Wasser- und den Thermobecher zum Kaffeetrinken nimmt, spart mit der Zeit sehr viel Müll. Wer ein bisschen mehr Geld in hochwertige Kleidung investiert, hat länger was davon, und der Umweg zum Secondhand-Store wird oft mit tollen Schnäppchen belohnt. Kleine Änderungen bewirken viel. Und wie Anne Marie Bonneau, eine Zero-Waste-Bloggerin, sagt: „Wir brauchen nicht eine Handvoll Leute, die Zero Waste perfekt umsetzen. Wir brauchen Millionen von Menschen, die es unperfekt machen!“


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