Pure Lust auf schmalen Reifen

Rennräder erleben gerade eine Renaissance. Radfahren bleibt im Trend. Und Fahrräder sind innovativ wie noch nie

STIL & DESIGN | OTHMAR PRUCKNER | COMPLETE MAGAZIN 1/16

Foto: Stephan Schütz

Speed ist gut! Und tut gut! Wobei wir hier ausnahmsweise nicht von Hunderten Pferdestärken reden, sondern von unmotorisierten Geschoßen: von Rennrädern. Seit einigen Jahren erleben die schlanken Flitzer eine regelrechte Renaissance. Man sieht sie und ihre bunt gekleideten Reiter am Großglockner wie am Donauufer, auf einsamen Landstraßen und sogar im Großstadtrevier. Dort fahren auffallend viele junge Menschen auf neu belebten Retro-Stahlrennern aus den siebziger Jahren auf die Uni, zum Konzert oder zur Arbeit.

Früher hat man über jene gespottet, die „nach unten treten und nach oben buckeln“. Heute sind die schnellen Radfahrer eine neue Elite. Körper- und umweltbewusst, sind sie auch technisch auf der Höhe der Zeit. Teure Karbonräder, mondäne Accessoires, kluge GPS-Instrumente, schnittige Helme: Damit ziehen Rennradfahrer und immer mehr -fahrerinnen allein oder im Pulk ihre bis zu hundert Kilometer langen Runden. Nicht im stickigen Studio, sondern draußen im freien Gelände finden sie ihr Glück. Fahren über sanfte Hügel, bewältigen saftige Steigungen, rollen entlang rauschender Bäche oder bummeln am Ufer eines schönen Sees. Jede Fahrt ist eine kleine Flucht aus dem Alltag, ein Abenteuer, eine Reise durch eine real existierende Erlebniswelt – und zu sich selbst. Der Boom ist nachhaltig. Und ein unlängst unter dem Titel „Rennrad-fieber“ erschienenes Buch mit 48 Textbeiträgen und zahlreichen Fotos macht hungrig auf flotte Ausfahrten.

Elektrisch am Berg

Doch nicht alle zieht es aufs Rennrad. Wer gern auf Berge steigt, erlebt, dass hier vielerorts schon mehr Mountain-biker als Wanderer unterwegs sind. Und einige lassen sich dabei bergauf von einem Elektromotor unterstützen. Beinahe alle großen Radproduzenten wie etwa KTM haben verschiedene E-Modelle im Angebot. E-Mountainbikes werden auch 2016 ein Verkaufsschlager sein.

Elegant in der Stadt

Die Welt der Räder ist so vielfältig wie noch nie. Pro Jahr werden allein in Österreich rund 400.000 Fahrräder neu gekauft. Dabei hält der Trend zum edlen Gefährt an. Mit „Crossern“ geht man auf große Radreise. Auf Cruisern fährt man erhobenen Hauptes durch Stadt und über Land. Die neu belebte Radmarke Puch, einst ein österreichisches Vorzeigeunternehmen, hat das legendäre „Waffenrad“ in zeitgemäßer „Edelweiß“-Version auf den Markt gebracht. Das heimische Start-up-Unternehmen Freygeist produziert seit letztem Herbst ein stylisches E-Bike. Ihm sieht man den Akku gar nicht mehr an, denn er ist im Rahmen versteckt. Dieses Rad signalisiert das Gegenteil von Arme-Leute-Gefährt: Es ist flott, trendy und cool. Wie die neuen Citybikes, Singlespeeds oder Rennräder.

Die Welt hat sich weitergedreht. Ihre Nabe ist nun die eines Fahrrads. Es hat einen völlig neuen Stellenwert bekommen: als hippes Statussymbol, das Sinn und Spaß macht.

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