Skandinavien im Wohnzimmer

Den österreichischen Designer Josef Frank und das schwedische Designunternehmen Svenskt Tenn verbindet eine jahrzehntelange kreative Zusammenarbeit

STIL & DESIGN | LAURA ARI | COMPLETE MAGAZIN 4/15

Foto: Svenskt Tenn

„Josef Frank war nicht nur ein Architekt oder ein Möbeldesigner, sondern eine der beeindruckendsten kreativen Personen“, sagt Thommy Bindefeld, Kreativdirektor des schwedischen Designunternehmens Svenskt Tenn, über den 1967 verstorbenen österreichischen Künstler. Josef Frank flüchtete 1933 vor den Nazis nach Schweden, wo er mit Estrid Ericson, der Gründerin von Svenskt Tenn, viele Jahre lang erfolgreich zusammenarbeitete. Zur Frage, wie es zur Kooperation zwischen Ericson und Frank kam, antwortet Bindefeld: Ericson sah einen Stuhl von Josef Frank in einer Wohnung von Freunden und wollte daraufhin den Designer unbedingt kennenlernen. Daraus entstand eine kreative Zusammenarbeit, deren Ergebnisse bis heute begeistern.

Josef Frank widersprach dem damaligen Zeitgeist – er mochte den Funktionalismus nicht. Er setzte den Menschen in den Mittelpunkt: Wichtig war ihm, wie sich der Mensch in dem Haus fühlt, in dem er wohnt. Frank verwendete Holz, Farben und Textilien. Weiße oder einfarbige Wände seien ungemütlich. Das Auge solle den Mustern der Stoffe folgen können, um zu entspannen. Die heute bei Svenskt Tenn erhältlichen Textilien werden genau nach Franks damaligen Arbeitsanweisungen gedruckt und angefertigt. Aus dem umfangreichen Archiv werden sorgsam Designs für die heutige Zeit ausgewählt. Schwerpunkt von Svenskt Tenn, das Ericson bereits 1924 gründete, sind Textilien. Wichtig ist dem Unternehmen, so Bindefeld, dass das Erbe Josef Franks für die Ewigkeit erhalten bleibt und nicht inflationär vermarktet wird. Der gesamte Gewinn von Svenskt Tenn wird für Forschung in Medizin und Ökologie eingesetzt.

Josef Frank erhielt 1965 den Großen Österreichischen Staatspreis für Architektur. Das MAK (Museum für angewandte Kunst) würdigt das Lebenswerk des ehemaligen Professors der Angewandten in der Ausstellung „Against Design“ ab 16. Dezember.

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