Traditionelles Handwerk in Österreich

Gibt es sie noch? Die kleinen Familienunternehmen, die ihr Handwerk noch wie vor hundert Jahren ausüben?

STIL & DESIGN | LAURA ARI | COMPLETE MAGAZIN 3/15

Foto: Schau Schau

Gibt es sie noch? Die kleinen Familienunternehmen, die ihr Handwerk noch wie vor hundert Jahren ausüben? Die das Wissen von Generation zu Generation weitergeben und sich auch in Zeiten von Globalisierung und immer billigerer Produktion nicht von ihrem Weg abbringen lassen? Ja, die gibt es noch. Wir, vom COMPLETE MAGAZIN, möchten Ihnen drei Familienbetriebe vorstellen, deren Handwerkskunst uns überzeugt

Rettl 1868

Lederhose und Dirndl, doch wie wäre es mit einem Kärntner Kilt? Den hat Thomas Rettl, Geschäftsführer der Schneiderei Rettl 1868, erfunden. Vor über dreißig Jahren hat er mit Freunden den „First Carinthian Highlandclub“ gegründet und ein in Vergessenheit geratenes Kleidungsstück wiederbelebt. Thomas Rettl, dessen Vater auf der Tailor and Cutter Academy in London und Großvater auf der Zuschneideschule in Paris war, sieht die Weiterentwicklung von Tradition folgendermaßen: „Man darf nicht stehen bleiben, gerade im Modebereich – und im Handwerk gibt’s immer wieder Innovationen.“ Seit bald 150 Jahren wird in der ehemaligen k. u. k. Uniformierungsanstalt Rettl das Wissen um feinstes Schneiderhandwerk von einer Generation zur anderen weitergegeben. „Besonders in der heutigen Zeit ist es wichtig, auf eine regionale und nachhaltige Produktion zu achten“, sagt Thomas Rettl in Hinblick auf Textilien aus Billiglohnländern.

Rettl 1868.
Fashion & Kilts. Freihausgasse 12, 9500 Villach,
Tel. 042 42/268 55; Burggasse 8, 9020 Klagenfurt;
Herrengasse 28, 8010 Graz, www.rettl.com

Goldschmied Norz

Ebenfalls ein Familienunternehmen, aber mit einer Leidenschaft für andere Materialien, ist die Goldschmiedewerkstatt Norz in Innsbruck. Diamanten, Platin, Weiß- und Gelbgold, Silber, in Kombination mit Edelsteinen oder Südsee- und Tahitiperlen. Die älteste Goldschmiedewerkstatt Tirols, die 1764 gegründet wurde, ist seit zehn Generationen in Familienbesitz. Aushängeschild ist das unverwechselbare Design des Fachmanns für Diamantenschmuck Christoph Norz. Die individuellen Entwürfe, der hochwertige Diamantenschmuck und der typisch handwerkliche Touch in Gelbgold erfordern eine Vielzahl an präzisen Arbeitsschritten, die von vier Goldschmieden unter der Anleitung von Christoph Norz in der eigenen Werkstatt durchgeführt werden. „Wir schaffen Schmuck für Menschen mit Mut zum eigenen Stil“, nennt Andrea Norz, seine Ehefrau und Geschäftspartnerin, die Quintessenz ihres Unternehmens.

Goldschmied Norz.
Schmuck für besondere Momente. Maria-Theresien-Straße 8, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/584431, www.norz.eu.com

Schau Schau Brillen

Der Entschluss, in Österreich und nicht in Billiglohnländern zu produzieren, hat auch der Brillenmacher Peter Th. Kozich vor mehr als drei Jahrzehnten mit seiner Schau Schau Brillenmanufaktur getroffen. Nachhaltigkeit wird in diesem Handwerksbetrieb großgeschrieben. Brillenexperte Kozich sagt: „Wer eine Brille aus unserem Haus ersteht, kauft österreichische Wertarbeit. Durch die Produktion in unserer eigenen Werkstatt werden heimische Arbeitsplätze gesichert und wird der ökologische Fußabdruck gering gehalten.“ Für seine Brillen werden nur Materialien natürlichen Ursprungs (wie Acetat, Büffelhorn oder edle Metalle) verwendet und jedes Stück wird in über siebzig Arbeitsschritten von Hand für den Kunden angefertigt. Dafür erhielt Schau Schau Brillen Design- und Innovationsauszeichnungen und das Staatswappen verliehen. Auch Beyoncé Knowles ließ sich davon begeistern und erstand bei ihrem Wien-Besuch einige Brillen von Schau Schau. Ein Sinnbild der Verbindung von Tradition und Moderne, die über Österreichs Grenzen hinausgeht!

Schau Schau Brillen.
Brillen von Hand gefertigt. Rotenturmstraße 11/Ertlg.,
1010 Wien, Tel. 01/533 45 84, www.schau-schau.at

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