Weißes Gold

Heiß begehrt und hoch geschätzt: Porzellan

STIL & DESIGN | NATHALIE GROßSCHÄDL | COMPLETE LUXUS 2/14

Foto: Fürstenberg

Der sächsische Kurfürst und König von Polen August der Starke war gierig danach und sammelte das besondere Luxusgut wie besessen. Die Rede ist von Porzellan. Nachdem die ersten Stücke aus China nach Europa importiert wurden, war Porzellan eine international heiß umkämpfte Ware. August der Starke gab sich aber mit dem Zusammentragen der zerbrechlichen Kunstwerke nicht zufrieden. Gemeinsam mit seinem Alchemisten Johann Friedrich Böttger baute er 1710 in Meißen die erste europäische Porzellan-Manufaktur auf. Böttger gelang es in Europa als Erstem, Hartporzellan zu brennen, und so ließ August der Starke Kannen und Zootiere in Meißen herstellen, versuchte seine Sammelleidenschaft aber auch mit Einkäufen in der ganzen Welt zu befriedigen. Die von ihm hinterlassene porzellanene Sammlung hat einen unschätzbaren Wert. Liebhaber und Museen auf der ganzen Welt sammeln aber noch heute die handgemachten Meißen-Kreationen, die auf Auktionen regelmäßig Höchstpreise erzielen.

Die Geschichte des „weißen Goldes“ reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück. Unter der Sui- und der Tang-Dynastie wurde in China zum ersten Mal aus dem weißen Gestein Kaolin Porzellan produziert. Dieses war so wertvoll, dass Teller und Tassen in Gold aufgewogen wurden. Weltumsegler Marco Polo brachte es um 1300 erstmals von seinen Fernreisen nach Europa mit. Nach der Entschlüsselung der Rezeptur in Meißen war der Siegeszug von Porzellan in Europa nicht mehr aufzuhalten. Die Geschichte des Wiener Porzellans begann im Jahre 1718, als die Manufaktur Augarten ihre Pforten öffnete. Noch heute findet hier die gesamte Produktion unter einem Dach statt. Das Augarten-Porzellan genießt nicht ohne Grund Weltruf. Hebt man eine Kaffeetasse zum Auge, sieht man sogar den Lichtstrahl durch. Dieses durchscheinende Porzellan und der reine Weißton machen die Qualität und nicht zuletzt den heimischen wie internationalen Erfolg aus.

1924 entstand die Einzelblumenserie „Wiener Rose“ mit grünem Rand, umrahmt von zarten Knospen und Blattstreuern, die zu einem der beliebtesten Augarten-Motive wurde. Zu den absoluten Bestsellern darf sich auch das Dekor „Maria Theresia“ – eine schwarze Pinselzeichnung, überdeckt mit einem Grün, das man aus der Jagd kennt – zählen. Kreiert wurde das kaiserliche Tafelservice für eines von Maria Theresias Jagdschlössern. Heute wird unter anderem im japanischen Kaiserhaus von „Maria Theresia“-Tellern gespeist. Aber nicht nur Blaublüter lieben zarte Wiener Blümchenmotive, der gesamte asiatische Raum ist von der naturalistischen Blumenmalerei begeistert und so stammt ein guter Teil der Kundschaft von dort. Am schwierigsten seien für die Porzellan-Maler die Ornamente des Services „Mythos“, die 1929 der Architekt Josef Hoffmann für die Augarten-Manufaktur schuf, sagt Andrea Stricker, Pressesprecherin der Manufaktur. Die extrem geraden Linien und die strenge geometrische Regelmäßigkeit sind eine Herausforderung. Jede Malerin und jeder Maler signiert mit einer eigenen Nummer das einzelne Stück, sodass die einzelnen Teile zeitlich eingeordnet und zurückverfolgt werden können.

Mit namhaften Designern wie der Britin Vivienne Westwood oder dem Franzosen Christian Lacroix kann sich auch das Münchner Porzellanhaus Nymphenburg schmücken. Im Jahre 1747 wurde die Manufaktur gegründet und stellt heute so gut wie alles, was man sich vorstellen kann, aus Porzellan her. Aus einer geheimen Rezeptur fertigt das Unternehmen zum Beispiel frostsichere und langlebige Majolika-Figuren an. Die Schmuckkollektion „Waldeslust“ mit Hirschgeweih oder Edelweiß passt hervorragend zu Trachten. Wer es auch in den eigenen vier Wänden traditionell und zünftig mag, dem seien das Service und die Figuren der Serie „Bavaria“ mit seinem Bayern-Wappen und der blau-weißen Randdekoration ans Herz gelegt.

Von bodenständiger Lebensart meilenweit entfernt ist das spanische Familienunternehmen Lladró. Berühmt für seine hochwertigen Figuren, verfolgt die Manufaktur in Valencia einen experimentellen und modernen Zugang zur Porzellanfertigung. Sie gilt als Marktführer in der Entwicklung und Herstellung von exklusiven Porzellanobjekten. Einzigartig und doch etwas kitschig ist die Lampenserie „Belle de Nuit“ mit einem bunten Luster als Kollektionskrönung. Erhältlich ist der „Schöne der Nacht“ mit bis zu vierzig zauberhaft verschnörkelten Schirmen. Wer bei Lladró nichts kauft, der kommt zumindest aus dem Staunen nicht heraus.

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