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FaustIn and Out

© Lupi Spuma, Schauspielhaus Graz

© Lupi Spuma

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Gretchen wird zu zwei Protagonistinnen und auch sonst wird sich in Elfriede Jelineks „FaustIn and out“ vieles doppeln und zugleich doch entzweien. Die 2004 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Autorin kommentiert mit diesem ihrem Stück nicht allein das angeblich meistzitierte Werk der deutschen Literatur. 1808 ist Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ erstmals veröffentlicht worden, bereits über ein Jahrzehnt zuvor schrieb er einen Entwurf – den „Urfaust“ – für das spätere Theaterstück. 204 Jahre später assoziiert Jelinek den Stoff mit heimischen Kriminalfällen der jüngsten Geschichte, die um die Welt tradiert wurden. Reporter von BBC bis Al Jazeera drängten sich für Aufsager vor Gartenhecken österreichischer Einfamilienhäuser. Bei Auslandsaufenthalten wurde man einige Monate auf andere Männer als Schwarzenegger und Mozart angesprochen. Das Unmenschliche wollte gefasst werden. Auf der Ebene 3 des Grazer Schauspielhauses wird das Publikum nun dank Elfriede Jelineks bestechend stechendem Text tief nach unten, in ein Verlies, blicken. Dort erwartet Margarete ihre Hinrichtung: Von Faust verführt, wurde sie zur Kindesmörderin und darauf zum Tode verurteilt. Als ein „kläffendes Nebenherlaufen“ bezeichnet die Autorin Jelinek die Tatsache, dass ihr Stück „FaustIn and out“ nur an Bühnen aufgeführt wird, an denen auch der Klassiker zu sehen ist. Jelinek selbst hat dies für ihr „Sekundärdrama zu Urfaust“ so bestimmt. Am Schauspielhaus Graz sind derzeit „Faust I“ und „Faust II“ zu sehen, inszeniert von Peter Konwitschny. Dass Jelineks Interpretation zum Stoff auch auf die Bühne kommt, ergab sich im Lauf der Spielzeit. Jelinek wolle sich in die „Leerstellen“ des Primärdramas „hineinquetschen“, wie in der Frankfurter Allgemeinen zu lesen war. Und schon ist man bei den Frauen und Frauenfiguren. Die Schauspielerinnen Verena Lercher und Seyneb Saleh werden als verdoppeltes oder gespaltenes Gretchen – das wird sich noch herausstellen – zitieren und spotten. Sie klagen an und verführen in der österreichischen Erstaufführung unter der Regie des Deutschen Philip Jenkins. (Maria Motter) Weniger einfach aber auch nicht schlecht ist Elfriede Jelineks Fritzl-trifft-Faust-und-Natascha-fährt-mit-Kommentar „Faustin and out“, den man auf Ebene 3 zeigt. Als Begleiterscheinung zu Peter Konwitschnys Faust-Inszenierung. Regisseur Philip Jenkins hat mit Seyneb Saleh (noch ein Neuzugang) und Verena Lercher zwei Darstellerinnen, die Text auch gut zwischen den Zeilen lesen können – das ist bei Jelinek die halbe Miete. Für den Rest gibts Regieideen, die eh gut gehen. (Hermann Götz)

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Von Elfriede Jelinek
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Von der FALTER-Programmredaktion empfohlen

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