Wissenschaft

Vom Zentrum zur Peripherie? Neuere Tendenzen der Holocaust-Forschung

(Simon Wiesenthal Lecture mit Frank Bajohr)

Die Holocaustforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten internationalisiert und ausdifferenziert. Dabei sind vor allem drei Grundprobleme deutlich geworden: Erstens reicht die klassische Unterscheidung zwischen Täter, Opfer und Bystander für eine europäische Gesellschaftsgeschichte des Holocausts nicht mehr aus. Zweitens wirft die Verlagerung der Perspektive nach Osteuropa ungelöste Grundfragen der Kontextualisierung des NS-Judenmords auf. Drittens wandelt sich in der historiografischen Rekonstruktion die Shoah zunehmend von einem von Deutschland ausgehenden Völkermord zu einem europäischen Projekt. Damit stellt sich verstärkt die Frage nach dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie in der Entwicklung des Holocausts. Am Beispiel des NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg und seiner jüngst entdeckten Tagebücher unternimmt Bajohr den Versuch, dieses Verhältnis von Zentrum und Peripherie sowie jenes von Ideologie und Praxis im Holocaust eingehender zu beleuchten.

Zusatzinfo:
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Simon Wiesenthal Lecture mit Frank Bajohr, Historiker und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München. Er lehrt an der Universität Hamburg sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete als Fellow in Yad Vashem sowie im US Holocaust Memorial Museum in Washington.

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