Lesung / Literatur Empfohlen

Anna Kim: Geschichte eines Kindes

(Buchpräsentation)

Vielleicht ist es das traurigste Buch des Herbsts; aber auch eines der besten. In ihrem neuen Roman „Geschichte eines Kindes” (Suhrkamp) erzählt Anna Kim die Geschichte von Daniel. In den 1950ern in eine US-Kleinstadt geboren, war der Junge von Geburt an ein Behördenfall. Denn seine junge Mutter wollte ihn nicht - und sie weigerte sich dazu beharrlich, die Identität des Vaters preiszugeben. Und so wäre es die Aufgabe der Sozialbehörde gewesen, eine neue Familie für Daniel zu finden. Allein: Zuerst setzten sich die Zuständigen in den Kopf, die Hautfarbe des Babys bestimmen zu müssen. Denn schon kurz nach der Geburt kam der Verdacht auf, es könnte nicht „weiß” sein, sondern „indianisch”, „polnisch” oder gar „negrid”. Unter dem Vorwand, nur das Beste für das Kind zu wollen, nahm ein Trauerspiel seinen Lauf.Die Autorin konnte auf Dokumente zu einem wahren Fall zurückgreifen. Sie bilden die eine Hälfte des Romans. Eingebettet sind die Akten in den Plot um eine österreichisch-koreanische Schriftstellerin, die Jahrzehnte später in jener Kleinstadt an einer Uni zu Gast ist. Sie hat ebenfalls ihre Erfahrungen mit Fremdzuschreibungen und Rassismus gemacht. Das Buch ist auch ein lustvolles Spiel mit Autofiktion und autobiografischem Schreiben.

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