"Beruf: Schauspieler" von Ulrich Khuon, Friedrun Reinhold, Hellmuth Karasek, C Bernd...

Nicole Scheyerer
FALTER 29/2006

Beruf: Schauspieler
Vom Leben auf und hinter der Bühne
Ulrich Khuon, Friedrun Reinhold, Hellmuth Karasek, C Bernd...
Edition Körber - 2005
18,60

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Trau keinem über dreißig: Unter dieser Maxime fand am Münchner Volkstheater im April zum zweiten Mal das Festival Radikal jung statt; auch diesmal ist dazu ein Buch erschienen. Das Festival zeigt acht von einer Jury ausgewählte Inszenierungen junger Regisseurinnen und Regisseure, die zum Zeitpunkt der Premiere noch unter dreißig gewesen sein müssen. Der Reader "Absolut Gegenwart" enthält biografische Angaben und Texte über die eingeladenen Künstler bzw. deren Inszenierungen; dazu kommen etwas langatmige Gesprächsrunden, in denen einerseits die jungen Regisseurinnen und Regisseure über ihre Rolle im Theaterbetrieb sprechen und andererseits Intendanten wie Elisabeth Schweeger oder Friedrich Schirmer danach befragt werden, wie sie's denn mit den Jungregisseuren halten. Vieles in dem Buch fällt in die Kategorie "Wer will das wissen?", zumal die meisten der jungen Damen und Herren bisher nur Insidern ein Begriff sind. Zwei davon - David Bösch und Roger Vontobel - werden demnächst übrigens auch beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele vertreten sein.

In Salzburg engagiert sind heuer auch drei der zwanzig Schauspielerinnen und Schauspieler, die in dem Band "Beruf: Schauspieler" vorgestellt werden. Das Buch enthält Porträts von und Interviews mit Preisträgern des seit 1982 in Hamburg an Schauspieler unter dreißig Jahren verliehenen Boy-Gobert-Preises, darunter mittlerweile arrivierte Leute wie Susanne Lothar, Ulrich Tukur oder Martin Wuttke, aber auch aufstrebende Jungstars wie Fritzi Haberlandt oder Wiebke Puls; aus dem aktuellen Burgtheaterensemble sind Alexandra Henkel, Dietmar König, Michael Maertens und Sylvie Rohrer vertreten. Unter den Autoren des liebevoll zusammengestellten und gestalteten Buchs sind neben Journalisten auch Theaterleute; der Dramaturg und Autor John von Düffel etwa schreibt über Aberglauben auf und hinter der Bühne. In einem Fragebogen sollen die Schauspielerinnen und Schauspieler unter anderem verraten, ob sie Hemmungen haben, auf der Bühne nackt zu sein. Die meisten sagen ja; die beste Antwort kommt von Imogen Kogge: "Was für eine bescheuerte Frage!"Alles, was Adolf Loos verboten hat, findet sich in dem opulenten, dreisprachigen Bildband "The World of Ornament", einem der Größtformate aus dem Taschen Verlag, für die man schon ein extrem starkes Buchregal braucht. Die Musterenzyklopädie vereinigt zwei berühmte Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Die in 320 Tafeln kompilierte Zierkunst geht zurück bis in die Antike und speist sich aus ägyptischen, griechischen, etruskischen und römischen Motiven ebenso wie aus der Ornamentik Asiens und des mittleren Ostens. Jedes Muster wird von einem historischen Text begleitet, der über Herkunft und Verwendungskontexte aufklärt. Ein Paradies für Kunsthistoriker, Antiquitätenfans, Stoffdesigner und Innenausstatter der oberen Zehntausend.


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