"Geschichte Österreichs" von Steven Beller

Franz Gutsch
FALTER 19/2007

Geschichte Österreichs
Steven Beller
Böhlau Wien - 2007
36,00

Anzeige


Dieses ambitionierte Buch schafft es, mehr als tausend Jahre auf 300 Seiten unterzubringen - von den Awaren bis Wolfgang Schüssel. Dennoch ist das neue Werk des britisch-amerikanischen Historikers Steven Beller mehr als eine bloße Chronologie. Neben einer Überblicksdarstellung bietet es auch einen analytischen Blick auf die wechselvolle Geschichte Österreichs. Bemerkenswert ist die Perspektive, aus der Beller diese erzählt. Es gelingt ihm nämlich, aus den Brüchen und der Komplexität der österreichischen Geschichte ein historisches Erbe herauszuarbeiten, das er als "supranational, multinational und multiethnisch" beschreibt. Dieses anzuerkennen böte die Chance zu einer Überwindung der ambivalenten österreichischen Identität.

Immer wieder fokussiert Beller neben den großen Ereignissen die kleinen, anekdotischen Begebenheiten, die durch ihren exemplarischen Charakter auf die historischen Zusammenhänge verweisen. Auch die Einarbeitungen seiner eigenen österreichischen Wurzeln verleihen dem Buch trotz der hohen Prägnanz und Dichte einen bemerkenswert leichten, abwechslungsreichen und persönlichen Tonfall.

Steven Beller hat gleichermaßen eine Landesgeschichte und einen großen Essay über Identität geschrieben. Darin plädiert er für die Entwicklung eines weltoffenen Selbstbildes einer Nation, die oft Schwierigkeiten hat, Licht- und Schattenseiten ihrer eigenen Geschichte gleichermaßen anzunehmen.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren

  • Orsolics Hansi k.o.

    Triumphe und Leiden eines Boxers Die Boxlegende Hans Orsolics ist als Sportler, als Wirt und als Sänger gescheitert. Genau dafür lieben ihn die Menschen. Ein Porträt zum 70....
    Rezensiert von Lukas Matzinger in FALTER 19/2007
  • Zungenkuss

    Du nennst es Kosmetik, ich nenn es Rock 'n' Roll Schon als Teenager war Kerstin Grether Redakteurin bei Spex, bis heute werden ihre Geschichten von Begegnungen mit Musikern durch Anteilnahme...
    Rezensiert von Sebastian Fasthuber in FALTER 19/2007
  • Hamburger Hochbahn

    Roman Der Stararchitekt setzt das Lebensgefühl der Gegenwart in Stahl, Beton und Glas um. Er entwirft die Räume und Bühnen für eine aufs Erlebnis fixierte...
    Rezensiert von Tobias Heyl in FALTER 19/2007
Alle Buch-Rezensionen | Alle Rezensionen aus FALTER 19/2007

Anzeige

Anzeige