Weniger fliegen, weniger Fleisch.

"Wir Klimaretter" von Toralf Staud, Nick Reimer

Karin Chladek
FALTER 41/2007

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Ratschläge sind auch Schläge. Was jeder Einzelne gegen den Klimawandel tun kann, diskutieren drei Sachbücher.

Während der Klimawandel erst so langsam in Gang kommt, hat der Klimawandel-Bücherboom bereits voll eingesetzt. Das Autorenduo Toralf Staud und Nick Reimer, Rainer Grießhammer sowie George Monbiot deklinieren - jeweils mit anderer Schwerpunktsetzung - die wissenschaftlichen Grundlagen, die wahrscheinlichen Folgen des Klimawandels sowie die Dos and Don'ts für Konsumenten und Politik, um den Temperaturanstieg in erträglichen Grenzen zu halten.

Bei den eigentlichen Klimaschutz-Ratschlägen gibt es kaum Unterschiede zwischen den Autoren: Häuser dämmen, auf erneuerbare Energie umstellen, weniger Auto fahren, Spritfresser boykottieren, wenig bis nicht fliegen, wenig bis kein Fleisch essen.

Doch wie motiviert man das Gewohnheitstier Mensch zu klimafreundlichen Verhaltensänderungen? Durch Schock? Anfachen der Wut auf Politik und Industrielobbys? Appell an den Verstand? Solidarität mit den Opfern des Klimawandels? Je nach Temperament der Autoren wird alles versucht.

Toralf Staud und Nick Reimer nehmen in "Die Klimaretter" die Politik in die Verantwortung. Sie fordern das Verbot klimafeindlicher Uraltindustrien und eine konsequent andere Raum- und Städteplanung. Mit der Energiesparlampe allein sei die Welt nicht zu retten.

"Der Klima-Knigge" richtet sich stärker an den Konsumenten. Rainer Grießhammer hakt sich beim Leser ein und schwärmt ihm vor, mit welch tollen Möglichkeiten man mittlerweile Umwelt- und Klimaschutz durch kluge Käufe und Investitionen fördern kann.

Er setzt zur Motivation eher auf schnoddrigen Humor und Produktinformation als auf Empörung. Grießhammer, seit vielen Jahren am Öko-Institut in Freiburg tätig, hat die immer gleichen Ausreden satt, man könne als Einzelner nichts tun. Neue Energiesparprodukte bedeuten keinen Komfortverzicht mehr und senken oft sogar Kosten. Beeindruckend.

Doch nicht alle klimaschädlichen Produkte und Aktivitäten können ersetzt werden: Passionierte Fleischfresser werden mit reiner Gemüsekost nicht glücklich.

Auf Langstreckenflüge wird kaum verzichtet, solange sie irgendwie leistbar sind und das klimaschonende Beamen noch nicht erfunden ist. Mit ihrem Slogan "Fliegen ist Sünde" punkten Staud und Reimer daher wohl eher bei Lesern mit Flugangst. Grießhammer weiß dies - und erwähnt das, was nicht substituiert werden kann, nur am Rande. Verzichten soll, wem ein bestimmter Verzicht leicht fällt. Psychologisch sicher klug.

Derlei Rücksicht kennt George Monbiot in seinem gleichermaßen gut recherchierten wie wütenden Buch "Hitze" nicht. Der britische Umweltaktivist zeigt nicht nur, wie Energielobbys dringende Klimaschutzmaßnahmen verhindern, sondern sagt dem Leser ins Gesicht: "Wer fliegt, zerstört das Leben anderer Menschen." Die Menschen in den ohnehin ärmsten Regionen der Welt spüren die Folgen des Klimawandels weit stärker als dessen Verursacher in den Industrieländern - wir.


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