Quantenkohärenz in der Mikrotubuli

"Gespräche über Bewußtsein" von Susan Blackmore

Robert Czepel
FALTER 41/2007

Gespräche über Bewußtsein
Susan Blackmore
Suhrkamp - 2007
27,60

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Was ist Bewusstsein? Zwanzig Interviews mit Spitzenforschern zeigen: Wir wissen es nicht.

Eigentlich wollte Susan Blackmore eine Radiosendung für die BBC machen, als sie im Jahr 2000 die Konferenz "Toward a Science of Consciousness" besuchte. Doch die BBC lehnte ihr Sendungskonzept ab. Zum Glück, denn so entstand die Idee, aus den Interviews bei dieser und späteren Fachkonferenzen ein Buch zu machen. So ist der britischen Psychologin und Autorin ein ganz feines Stück Wissenschaftspublizistik gelungen.

Interviews zum Thema Bewusstsein sind keine einfache Sache, denn die Mitglieder der einschlägigen Szene sind ein recht bunter Haufen. Da tummeln sich etwa: ein Ex-Mathematiker mit Hardrockfrisur, der sein Geld mit philosophischen Gedankenexperimenten verdient (David Chalmers), eine Philosophin, die selbst hartgesottene Neurobiologen in Sachen Reduktionismus locker überholt (Patricia Churchland), und ein Nobelpreisträger, der im pensionsreifen Alter noch mal ganz neu anfing, um das Rätsel des menschlichen Geistes zu lösen (Francis Crick). Der Individualismus blüht im Lager der Bewusstseinsforschung - und mit ihm die Vielfalt der Theorien.

Schon die Antworten auf Blackmores Eingangsfrage - "Wo liegt das Problem?" - fallen ganz unterschiedlich aus. Manche halten das Rätsel des menschlichen Bewusstseins für schwierig, wenngleich für prinzipiell lösbar, andere für unlösbar, und wieder andere erklären das Ganze zum Scheinproblem.

In dieser polyfonen Tonart geht es auch weiter - einige Kostproben: David Chalmers etwa möchte nicht ausschließen, dass Thermostaten ein klein wenig Bewusstsein haben könnten. Der Experimentalpsychologe Kevin O'Regan hält sich für einen biochemischen Roboter und prognostiziert: "In einigen Jahren werden wir in der Lage sein, unsere Persönlichkeiten auf Computer hochzuladen." Und der Neurotheoretiker Stuart Hameroff meint, dass die Zellskelette der Neuronen eigentlich Rechenelemente eines gigantischen Quantencomputers seien: "Bewusstsein ist Quantenkohärenz in den Mikrotubuli."

Da ist schon einiges Bizarres dabei im Dickicht der Theorien, Einigkeit herrscht allenfalls darüber, dass die Bewusstseinsforschung - trotz aller Fortschritte - noch in den Kinderschuhen steckt. Wohin die Reise gehen wird, weiß niemand. Auch Francis Crick nicht, der Blackmore übrigens das letzte Interview seines Lebens gab: "Wir hätten gerne eine naturwissenschaftliche Beschreibung des Phänomens, aber wie sie aussehen wird, lässt sich nicht im Voraus sagen. Ich erinnere mich, wie jemand bei seiner Antrittsvorlesung gefragt wurde, was der nächste entscheidende Schritt sei. Und er antwortete:, Tja, wenn ich das wüsste, dann würde ich ihn machen.'"


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