"Frühmorgens, abends oder nachts" von Yasmina Reza

Barbaba Tóth
FALTER 19/2008

Frühmorgens, abends oder nachts
Yasmina Reza
Hanser, Carl 2008
€ 18,40

Anzeige


Was kann dabei herauskommen, wenn Yasmina Reza, die derzeit die erfolgreichsten Stücke für die Bühnen dieser Welt schreibt, Nicolas Sarkozy ein Jahr lang im Wahlkampf begleitet? Ein politisches Drama? Eine Demaskierung? Ein bisschen von allem. Reza montiert ihre Be­obachtungen und Gedanken zu einer Art dokumentativer Stimmungscollage aus dem absurden Reich der Politik – ein diskreter Blick hinter die Kulissen der Macht, der in Frankreich ein Riesenerfolg war. Stets im Zentrum: der Kandidat, inzwischen französischer Präsident. Sarkozy auf Parteiveranstaltungen, im Flugzeug, beim Autogrammgeben, in internen Besprechungen, privat zu Silvester mit seiner damaligen Frau Cecilia.
Manchmal ist das, was Reza schreibt, treffend, manchmal bloß banal, manchmal einfach selbstverliebt – wobei schwer zu sagen ist, ob das mehr an der Autorin oder am Objekt ihres Interesses liegt. Sarkozy fühlte sich sichtlich geschmeichelt, als ihm die französische Starautorin von Juni 2006 an im Wahlkampf nahezu täglich folgte. Reza wiederum scheint von ihrer Idee für ihr Buch mitunter sehr eingenommen. Das gibt dem Werk über weite Strecken eine gewisse Distanzlosigkeit, symbolisiert auch durch das sehr kumpelhafte Du, das Reza und Sarkozy pflegen. Hier haben sich zwei Stars mit Sicherheit ein Denkmal gesetzt.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren

  • Deep Lee

    Es gibt wohl keinen Musiker, der im Alter von über 80 Jahren seine sieben Zwetschken so dermaßen beinanderhat wie der Altsaxofonist Lee Konitz....
    Rezensiert von Klaus Nüchtern in FALTER 19/2008
  • Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin

    Nach ihrer Novelle "Morire in levitate" (2004) hat Streeruwitz wieder ein kurzes Buch über das Sterben geschrieben – diesfalls in Form eines...
    Rezensiert von Klaus Nüchtern in FALTER 19/2008
  • Das Buch der verbrannten Bücher

    Hiermit übergebe ich dem Feuer die Werke von ..." Die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933, also vor genau 75 Jahren, war der erste Vernichtungsakt...
    Rezensiert von Fritz Trümpi in FALTER 19/2008
  • Paloma

    Euphorie und Exaltation waren immer Markenzeichen von Friederike Mayröckers dichterischer Welt. In "Paloma", 99 im Lauf des Jahres 2006/07 an...
    Rezensiert von Erich Klein in FALTER 19/2008
  • Elfriede Gerstl: Kleiderflug

    Schreiben. Sammeln. Lebensräume Den Naziterror, den sie im Versteck überlebte, hat Elfriede Gerstl (Jahrgang 1932) im bes­ten österreichischen Gedicht über 1945 so resümiert:...
    Rezensiert von Erich Klein in FALTER 19/2008
Alle Buch-Rezensionen | Alle Rezensionen aus FALTER 19/2008

Anzeige

Anzeige