"Kafka in Berlin" von Hans-Gerd Koch

Ulrich Rüdenauer
FALTER 27/2008

Kafka in Berlin
Hans-Gerd Koch
Wagenbach 2008

Anzeige


"Wenn es möglich wäre, nach Berlin zu gehen, selbstständig zu werden, von Tag zu Tag zu leben …" Es fehlte nicht viel, und Franz Kafka hätte den großen Schritt gewagt, bevor es zu spät war: Als Berlin tatsächlich zur Metropole wurde und Künstler aller Herren Länder anzog, da wollte auch Kafka hin. Seine Verlobte Felice Bauer lebte ja ebenfalls dort. Theater gab es obendrein, andere Autoren zum Plaudern und Verleger zum Berühmtwerden. Man hätte in Berlin etwas für Kafka tun können.
Entscheiden konnte er sich dann aber doch nicht – wie er sich mit dem Entscheiden bekanntlich ohnehin sehr schwer tat. Berlin blieb Kafka ein lebenslanger Traum, und als ihm die Tuberkulose zum Albtraum wurde und ihn fast schon dahingerafft hatte, da raffte er sich doch noch auf und zog in die Gartenstadt Steglitz. Kein Ort für einen Lungenkranken. Es wurde auch nicht besser mit dem Kranksein, aber zum ersten Mal war Kafka frei.
Was es mit der Liebe zu Berlin, den kurzen Besuchen und der Berliner Zeit mit des Schriftstellers letzter großer Flamme, Dora Diamant, mitten in schlimmsten Inflations- und Hungerzeiten auf sich hat, das schildert gelungen der Kafka-Kenner Hans-Gerd Koch. Und zwar in einem der wie immer sehr schön rot gewandeten Wagenbach-Salto-Büchlein. Auf dem steht auf der Rückseite jene Parole, die Kafka selber ausgegeben hat: "Sie müssen nach Berlin!" Von Wien, übrigens, hielt Kafka nichts.


Anzeige

Diese Rezensionen könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige